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Identifikation

 
     
   
der Vorgang, durch den man sich mit einem anderen Menschen oder mit einer Sache gleichstellt. Primitive Völker haben die Kraft ihrer Feinde in sich aufnehmen wollen, indem sie ihre Körper verzehrten (Kannibalismus). Bei Völkern, die einem Totem anhingen, wurde das Totem-Tier, das sonst vor Verfolgung geschützt war, einmal im Jahr von der Totem-Gemeinschaft verzehrt, eine Zeremonie, mit der man die Macht des Totems in sich hineinnehmen wollte. Die Identifizierung läßt sich als seelische Ein-Verleibung verstehen. In der Entwicklung des Einzelnen geht ihr eine ursprüngliche Einheit vor aus: das kleine Kind kann noch nicht zwischen sich und der Umwelt unterscheiden; es erlebt seine Mutter wie ein Teil seines eigenen Körpers. Der Schweizer Psychoanalytiker Ren Spitz hat das Verhältnis zwischen Mutter und Kind in dessen erstem Lebensjahr als Symbiose beschrieben; das heißt, daß das Kind dann noch kein selbständiges Wesen ist. Mit dem Säugen an der Mutterbrust findet auch eine Art körperlicher Einverleibung statt. Erst später erfährt das Kind die Mutter als Objekt, dem nun eine Liebe zugewendet wird. Die Liebe des Knaben zum Vater und die des Mädchens zur Mutter vermischt sich noch später mit Gefühlen der Rivalität. Die Liebe zum anderen geschlechtlichen Elternteil stößt auf die Inzest-Verbote. Bis zu einem gewissen Grade muß die Liebe aufgegeben werden, und an ihre Stelle tritt insoweit die Identifikation. Der Knabe nimmt sich den Vater, das Mädchen die Mutter zum Vorbild. Dieser Vorgang wiederholt sich im späteren Leben mehrmals, wenn eine Liebe zurückgezogen werden muß und deren Objekt verinnerlicht wird. Doch können Anteile der Liebe und der Identifikation nebeneinander bestehen. Das geschieht ganz typisch während einer langen Ehe, deren Partner sich in dem Maße miteinander identifizieren, indem die ursprüngliche Verliebtheit und Begierde schwindet, um nach der Angleichung erneut eine (andere) Liebe zueinander zu entwickeln. Schon die Liebeswahl wird oft im Hinblick auf Eigenschaften getroffen, die den eigenen ähnlich sind oder denen, die man erwerben möchte; sie enthält dann schon ein Maß an Identifikation. Indem man sein Ich mit einer anderen Person oder einer Sache gleichsetzt, verwischt man seine Grenzen, gibt einen Teil von sich gleichsam auf. Wenn man sich in einer Masse mit allen anderen, wenn man sich mit den Zielen eines Führers oder sonst einer Sache identifiziert, überwindet man zwar die Schwächen des kleinen Ich, verzichtet aber zugleich auf wesentliche Züge der Individualität.
 
     
 
 
 
     
 
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