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Mensch-Tier-Vergleich

 
     
   
auch: Tier-Mensch-Vergleich, Methode des Schlußfolgerns vom tierischen auf spezifisch menschliches Verhalten; dieser vergleichende Ansatz soll Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten ebenso wie Unähnlichkeiten und Unterschiede zwischen bestimmten Tierarten und dem Menschen möglichst genau offenlegen und im Detail analysieren. Nicht nur die Homologie-Forschung (Ähnlichkeiten aufgrund einer gemeinsamen stammesgeschichtlichen Ausgangsform), sondern auch die Analogie-Forschung (Ähnlichkeiten, die auf unterschiedlicher stammesegschichtlicher Grundlage infolge gleicher oder ähnlicher Umweltanforderungen und Funktionen entstanden sind) spielt beim Mensch-Tier-Vergleich eine wichtige Rolle. Dabei geht es aber keineswegs nur um homologe oder analoge Ähnlichkeiten, sondern gleichermaßen um die exakte Bestimmung von Unterschieden. Kritisch wird verschiedentlich angemerkt, die Ethologen hätten bei der Übertragung von Erkenntnissen aus Tierstudien, -versuchen und -beobachtungen auf den Menschen die wissenschaftliche Sorgfalt vermissen lassen und zu schnell, ja leichtfertig aus den Arbeitshypothesen Schlüsse über das vermeintlich erkannte Wesen des Menschen und seiner Sonderstellung gezogen – und somit habe der Tier-Mensch-Vergleich insgesamt forschungshemmend gewirkt (Ethologie, Vergleichende Verhaltensforschung). Dagegen wird von Ethologen eingewandt, die Beobachtungsbefunde seien keineswegs direkt übertragen worden bzw. diese Arbeitshypothesen seien bei der Übertragung auf den Menschen unter Berücksichtigung von deren Besonderheiten immer neu zu testen. Sie erleichtern lediglich als heuristische Richtschnur die Untersuchung an anderen Arten bzw. am Menschen, machen dort aber keineswegs eine neuerliche Analyse überflüssig. Das weitere hänge dann ausschließlich von der methodischen und inhaltlichen Qualität der Vergleichsanalyse ab. Hier freilich, so selbstkritisch z.B. Vogel und Eckensberger (1988, S. 584), sei "ohne Frage nicht selten allzu leichtfertig verfahren worden". So sei in manchen Werken der Humanbiologie in Verbindung mit tierischen Rangordnungen und deren nützlichen biologisch-sozialen Funktionen zu lesen, auch die Menschen würden sich in ihrer "erblichen Disposition" einer "anerkannten Autorität" unterordnen. Vernachlässigt würde dabei, daß "Autorität" ein den traditionellen Wertsystemen der menschlichen Kultur entnommener Begriff sei und im Unterschied zu allen tierischen Rangordnungen immer auch kulturtypischen, historisch wandelbaren und überdies sehr differenzierten Bedeutungszuschreibungen und Wertungen unterliege – für die es selbst bei sozial höchstentwickelten Tieren keine Entsprechungen gebe. Sicher habe die in allen menschlichen Gesellschaften zu beobachtende Ausbildung von abgestuften Rangsystemen und Statushierarchien sowie einzelne Ausdrucksformen des sozialen Rangverhaltens auch stammesgeschichtlich weit zurückreichende Wurzeln. Beim Menschen entscheide aber das ”Soziale” darüber , was aus dem Biologischen wird. Und Ererbtes und Erworbenes lassen sich beim Menschen nicht trennen. Am ehesten lassen sich Erbhomologien beim Mensch-Tier-Vergleich noch im Bereich formkonstanter motorischer Verhaltensmuster finden, z.B. in der Mimik und Gestik von Schimpansen und Menschen. Je komplexer die verglichenen Verhaltensweisen jedoch sind, desto gewichtiger wird die Lernkomponente.

Literatur

Vogel, Ch. & Eckensberger, L. H. (1988)-. Arten und Kulturen – Der vergleichende Ansatz. In K. Immelmann u.a. (Hrsg.), Psychobiologie. Grundlagen des Verhaltens. Stuttgart, New York: Fischer; Weinheim, München: Psychologie Verlags Union.


 
     
 
 
 
     
 
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