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Zwang

 
     
   
geht zunächst von unseren körperlichen Bedürfnissen aus, ohne deren Befriedigung wir nicht überleben könnten. Auch die natürliche Umwelt übt auf uns mancherlei Zwang aus, etwa indem sie uns nötigt, einen Schutz gegen Unwetter aufzusuchen. Entscheidend für die Entwicklung des Menschen wurde der Zwang zur Einordnung in größere Gemeinschaften, die die individuellen Wünsche vielseitig einschränken mußten. Diese Zwänge können geradeso Rebellion auslösen wie zu einem absoluten Gehorsam bis zur Aufgabe der Persönlichkeit führen. Die Folgsamkeit wurzelt in der Angst, die Liebe der Nächsten zu verlieren oder gar von der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden. Die Gefahr liegt wesentlich in den eigenen Triebwünschen, die man zu beherrschen lernen muß, um nicht dem Liebesentzugund der Ächtungzu verfallen. So wird der äußere Zwang allmählich in einen inneren verwandelt. Es geht nun von einem Teil der eigenen Seele aus, dem Über-Ich. Die Unsicherheiten, die so abgewehrt werden sollen, steigen in Zuständen der Schwäche, etwa der Überarbeitung oder Übermüdung. Sie können sich in relativ unwichtigen Zwangshandlungen äußern. Sie können einen Menschen aber auch so beherrschen, daß sie sich als ernsthafte psychische Krankheit äußern (Neurose, Psychose). Alle seelischen Zwänge zeichnen sich dadurch aus, daß der Betroffene eigentlich nicht sagen kann, warum er ihnen folgt. Der Anlaß, der genannt werden kann, ist zu geringfügig, um das Ausmaß der Sicherungen zu erklären. Er verdeckt das wirkliche Motiv, das ins Unbewußte verdrängt worden ist. Deshalb kann eine zwanghafte Angst (Phobie) nicht dadurch gemindert werden, daß man ihren scheinbaren Grund als unverhältnismäßig oder gar wahnhaft entlarvt, da sie ja in Wahrheit einer viel tieferen, unbewußten Gefahr gilt.
 
     
 
 
 
     
 
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