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primärer Narzißmus

 
     
   
auch: primäre Liebe, psychoanalytische Sichtweise von S. Freud und M. Klein, nach der Säuglinge in ihrem Erleben autistisch und narzißtisch und mit sexuellen und destruktiven Phantasien erfüllt seien. Erst im Laufe der individuellen Entwicklung werde aus dem Säugling ein zivilisiertes Wesen, das die Mitmenschen in sublimierter Form um ihrer selbst lieben und in ihrem eigenen Recht anerkennen könne. Vor allem M. Balint hat dieser Freudschen Annahme und normativen Konzeption (von autistischer Ichbezogenheit zur vollkommenen Form der Liebe) widersprochen und mit seinem Ansatz der primären Objektliebe sowohl die späteren Bindungstheorien (Bindungforschung) als auch die empirische Kleinkindforschung (Säuglingsforschung) wesentlich beeinflußt. Nach Balint erfolgt die Entwicklung von einer primitiven Form der (egozentrisch erlebten) Liebe zu einer erwachsenen Form der Liebe, bei der neben der eigenen Bedürfnishaftigkeit auch die Einfühlung in die Bedürfnisse und Erwartungen der geliebten Person tritt: Aus der archaischen Selbst-Selbstobjektbeziehung wird eine reifere Form der Selbst-Selbstobjektbeziehung. Balint ging außerdem davon aus, daß das Kind nicht nur geliebt werden will, sondern auch auf seine kindliche Art und Weise lieben will. Gelingen Ausdruck und Austausch der “primären Liebe”, leben Mutter und Kind in “harmonischer Verschränkung” – in einer harmonischen, einander durchdringenden Verschränkung wie der ”Fisch im Meer”. Es sei sinnlos, danach zu fragen, ob das Wasser in den Kiemen Teil des Meeres oder Teil des Fisches sei. Mißlingt die “primäre Liebe”, entstehe eine “Grundstörung”, die bei jeder schweren psychischen und psychosomatischer Erkrankung anzutreffen sei.

Literatur

Mertens, W. (1998). Psychoanalytische Grundbegriffe (2. Aufl.). Weinheim: Beltz – Psychologie Verlags Union.


 
     
 
 
 
     
 
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