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Undeutsch-Hypothese

 
     
   
ein von Steller (1989) in die wissenschaftliche Diskussion eingeführter Begriff: Eine wahre, d. h. erlebnisbegründete, Aussage unterscheidet sich durch bestimmte Merkmale (Glaubwürdigkeitskriterien) von einer erfundenen, d. h. gelogenen, Aussage. Die Unterscheidungskriterien hat Udo Undeutsch zu einem wissenschaftlichen Prüfungsinstrument entwickelt, das bis heute eine empirisch begründete Validität beanspruchen kann. So gilt z. B., daß erlebnisbegründete Aussagen mehr und vor allem originellere Einzelheiten enthalten als erfundene,

– in erlebnisbegründeten Aussagen auch von unerwarteten Zwischenfällen (Komplikationen) berichtet wird, dagegen in erfundenen nicht,

– in erlebnisbegründeten auch den Beschuldigten entlastende und den Zeugen belastende Aussagen vorkommen, die in erfundenen Aussagen fast immer fehlen.

Seit Mitte der 80er Jahre und besonders durch spektakuläre Mißbrauchsprozesse hat es sich jedoch als notwendig erwiesen, die Anwendbarkeit der kriteriengestützten Aussageanalyse für Aussagen von Kindern zu präzisieren und ggf. einzuschränken (sexueller Mißbrauch). Sie kann nicht oder jedenfalls nicht zuverlässig angewendet werden, wenn es Hinweise gibt, daß die Kinder zwar von der subjektiven Richtigkeit ihrer Aussage überzeugt sind, die Aussage selbst jedoch vollständig oder partiell das Produkt suggestiver Beeinflussung ist (Aufdeckungsarbeit). Diese subjektiv ehrlichen, gleichwohl nicht erlebnisbegründeten Aussagen können dasselbe Niveau kognitiver Repräsentation erreichen wie erlebnisgestützte Aussagen. Die Undeutsch-Hypothese gilt also weitgehend nur, wenn es sich um authentische Aussagen des kindlichen Zeugen handelt. Nur in diesem Fall ermöglicht sie die zuverlässige Differenzierung zwischen erfundenen und erlebnisbegründeten Aussagen.

Unerläßlich ist daher im Falle der Möglichkeit, daß suggestive Einflüsse auf die Aussage des Kindes eine Rolle gespielt haben könnten, die Entstehung und Geschichte der Aussage aufzuhellen und zu analysieren, um festzustellen, ob es sich um eine authentische Aussage des Kindes handelt oder ob diese durch vielfältige suggestive Einflüsse (Suggestibilität) als Beweismittel ausscheiden muß.

Literatur

Steller, M. (1989). Recent development in statement analysis. In J.C. Yuille (Ed.), Credibility assessment (pp. 135154). Dordrecht: Kluwer.


 
     
 
 
 
     
 
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