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kausale Kette

 
     
   
Bezeichnung für mehrere zeitlich aufeinander folgende Ursachen, die in ihrer Kombination einen bestimmten Effekt hervorrufen. In der Attributionstheorie (Attribution) werden im allgemeinen einfache Ursachen-Effekt-Zusammenhänge untersucht. Im wirklichen Leben sind aber Ursachen häufig in komplexer Weise miteinander verbunden, wenn sie einen Effekt hervorrufen. Das gilt insbesondere im Fall von zeitlich aufeinanderfolgenden Ursachen, die einen zeitlich später auftretenden Effekt in Kombination herbeiführen. Wenn zwei kausale Ursachen aufeinanderfolgen, stellt sich die Frage, welche Ursache als wichtiger eingeschätzt wird. Ein alltägliches Beispiel ist ein Jugendlicher, der Ladendiebstähle begeht. Sein Verhalten kann dadurch erklärt werden, daß sein Vater frühzeitig die Familie verlassen hat. Außerdem kann als Erklärung herangezogen werden, daß seine Mutter zu einem späteren Zeitpunkt Alkoholikerin geworden ist. Auch in diesem Fall gibt es eine kausale Kette, die zusammengenommen das zu erklärende Ereignis verursacht hat. Das entspricht einem Vorrangeffekt unter kausalen Ursachen. In kausalen Ketten wird die erste Ursache von Beurteilern häufig als wichtiger wahrgenommen als die zweite. Dieser kausale Vorrangeffekt läßt sich nicht durch logische Überlegungen ableiten. Die Auswirkungen dieses Effekts auf die Praxis liegen auf der Hand. Wenn z.B. ein Gericht die Verursachung eines Verkehrsunfalls abwägt, bei dem zunächst Alkohol am Steuer von Fahrer A im Spiel ist und dann die Nichtbeachtung der Vorfahrt durch Fahrer B, sollte die Tendenz bestehen, daß die erste Ursache stärker als die zweite für die Frage der Unfallverursachung als relevant gesehen werden sollte. Daraus können sich Tendenzen in der Schuldzuschreibung ergeben, die nicht objektiv aufgrund größerer Verursachung zustande kommen, sondern durch Urteilstendenzen ausgelöst werden.

Literatur

Vinokur, R. & Ajzen, I. (1982). Relative importance of prior and immediate events: A causal primacy effect. Journal of Personality and Social Psychology, 41, 820-829.


 
     
 
 
 
     
 
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