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Moritz

 
     
   
Karl Philipp, 1756–1793, deutscher Schriftsteller, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und eine Hutmacherlehre begann, wobei die psychischen und physischen Torturen im Haushalt seines Brotherrn einen Selbstmordversuch nach sich zogen. Nach abgebrochener Lehre ermöglichte ihm ein Gönner den Besuch des Gymnasiums gegen den Willen des Vaters. Im Verlauf des anschließenden Theologiestudiums unternahm er erste Versuche als Schauspieler, die allerdings kläglich scheiterten. 1778 wurde Moritz Lehrer am Waisenhaus von Potsdam, 1784 dann Gymnasialprofessor am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster; wo er es bis zum Konrektor brachte. 1788 von Goethe nach Weimar eingeladen, unterrichtete Moritz den Herzog Karl August als Privatlehrer in Englisch und begleitete ihn ein Jahr später nach Berlin. 1789 wurde er Professor der Altertumskunde an der Kunstakademie in Berlin, 1791 stieg er zum Hofrat und zum Mitglied der Preußischen Akademie der Schönen Künste auf. Eine Heirat brachte nicht das erhoffte Lebensglück: Mit 37 Jahren starb er an Tuberkulose. Seinen Ruhm als Schriftsteller und als Psychologe begründete Moritz mit dem “psychologischen Entwicklungsroman” Anton Reiser (1785–1790). Dieser stark autobiographisch gefärbte Roman, der den Autor mit einem Schlag bekannt werden ließ (und Goethe zur Neufassung seines “Wilhelm Meister” veranlaßte), gilt als der erste psychologische Roman in deutscher Sprache und beeinflußte nachhaltig die Entwicklung der deutschen Literatur. Das von ihm 1783 bis 1793 herausgegebene “Magazin zur Erfahrungsseelenkunde”, das auch Dokumente zur Vorgeschichte des “Anton Reiser” enthält, war die erste deutsche Psychologiezeitschrift. Moritz verwendete darin bereits Begriffe wie Psychopathologie oder “psychologische Semiotik”.


 
     
 
 
 
     
 
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