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Sentimental

 
     
   
eigentlich: gefühlsmäßig, heute beinahe nur die Bezeichnung für künstlich gesteigerte, unechte Gefühlswallungen. Es geht um Situationen, zu denen ein bestimmtes Gefühl gleichsam automatisch zu gehören scheint. Man erwartet, daß jemand, der z. B. in einen Wald tritt, in einer traditionell festgelegten Weise ergriffen wird. Es gibt eine ganze Reihe solcher Klischees, die verpflichtend wirken, so daß jemand als gefühllos gilt – und sich vorkommt –, der ihnen nicht gehorcht. Die Sentimentalität ist das Wesen und Zeichen des Kitsches, also kunstähnlicher Produkte, die stereotype »Sentimente« hochkitzeln sollen, ohne den seelischen Kern zu erregen. Die Sentimentalität ist ein Ersatz für Gefühle, denen man sich nicht hinzugeben wagt, weil ihr Ausdruck die Einordnung in die Gemeinschaft gefährden könnte, die eigene Stabilität erschüttert, oder weil man die Enttäuschung fürchtet, die man erleben müßte, wenn frei bekundete Gefühlsbedürfnisse von den Nächsten zurückgewiesen werden. Die häufige Verfälschung von Gefühlen und die Abwehr der Sexualität machen es vielen Menschen schwer oder sogar unmöglich, ihre unmittelbaren Empfindungen angemessen auszudrücken. In der Angst vor dem Anschein der Heuchelei liegt wohl die schlimmste Folge des Gefühlsschwindels.
 
     
 
 
 
     
 
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