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Spracherwerbstheorien

 
     
   
sind sich darüber einig, daß 1) die Sprache humanspezifisch ist und eine biologische Basis hat, 2) Kinder während der vorsprachlichen Zeit wichtige Voraussetzungen für den Prozeß des Spracherwerbs erlernen, 3) Kinder für den Spracherwerb eine sprachliche Umwelt brauchen, 4) daß die inneren Voraussetzungen des Kindes und die äußeren Umweltfaktoren optimal zusammenwirken müssen. Im Hinblick auf dieses Zusammenwirken zwischen inneren Voraussetzungen des Kindes und Umweltfaktoren lassen sich zwei große Theoriefamilien unterscheiden: Die von außen nach innen gerichteten Theorien (Outside-in-Theorien) und die von innen nach außen gerichteten Theorien (Inside-out-Theorien).

Die “Outside-in”-Theorien gehen von der Annahme aus, daß angeborene sprachspezifische Voraussetzungen nur in geringem Maße eine Rolle beim Spracherwerb spielen. Diese Theorien betonen die Wirksamkeit genereller Lernmechanismen. Es gibt zwei Varianten: Kognitive Theorien (bspw. Piaget) und sozial-interaktive Theorien (bspw. Bruner).

Bei den “Inside-out”-Theorien spielt das angeborene Sprachwissen dagegen eine wichtige Rolle. Das Sprachlernen wird in diesen Theorien deutlich unterschieden von anderen Lernmechanismen. Es gibt zwei Varianten von “Inside-out”-Theorien: Die linguistischen Spracherwerbstheorien (bspw. Chomsky) gehen von einem angeborenen grammatischen Wissen im Sinne einer Universalgrammatik (generative Grammatik) aus. Dem Erleben von Sprache im Rahmen der individuellen Umweltbedingungen kommt in diesen Theorien nur eine relativ unbedeutende Rolle als Auslöser (“trigger”) im Spracherwerbsprozeß zu. Die sprachentwicklungspsychologischen Theorien (bspw. Karmiloff-Smith) basieren auf empirischen Ergebnissen aus der Säuglingsforschung und stellen den Passungsgedanken zwischen inneren und äußeren Bedingungen im Spracherwerb in den Vordergrund. Unter diesen interaktionistischen Sichtweisen sind die sog. Steigbügelhaltertheorien (“bootstrapping theories”) von besonderer Bedeutung, bei denen es um die Frage geht, welche schon erworbenen Konzepte als “Steigbügel” für den Einstieg in die Grammatik benutzt werden.

Literatur

Grimm, H. (Hrsg.) (2000). Sprachentwicklung. Enzyklopädie der Psychologie. Themenbereich C: Theorie und Forschung. Serie III: Sprache. Bd. 3: Sprachentwicklung. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe.


 
     
 
 
 
     
 
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