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Piaget

 
     
   
Jean, 1896–1980, Schweizer Entwicklungspsychologe. Er wurde vor allem wegen seiner Pionierarbeit in der Erforschung der Entwicklung der Intelligenz bei Kindern bekannt. Seine Studien waren von großer Bedeutung für die Entwicklungspsychologie und Pädagogik. Piaget studierte an der Universität von Neuchâtel Naturwissenschaften und promovierte im Alter von 22 Jahren mit einer Arbeit über die Weichtiere des Wallis. 1919 begann er das Studium der Psychologie in Zürich, im selben Jahr wechselte er an die Sorbonne in Paris. Dort begann er in Alfred Binets Laboratorium mit Untersuchungen zur Entwicklung kognitiver Fähigkeiten bei Kindern. 1921 berief ihn Eduard Claparède als Oberassistent an das Institut J.-J. Rousseau für pädagogische Forschung in Genf. Dort lernte er auch seine Frau kennen, mit der zusammen er psychologische Beobachtungen und Experimente an ihren gemeinsamen drei Kindern durchführte, die er in drei Büchern beschrieb. 1925 erhielt er einen Lehrauftrag in Neuchâtel, 1929 wurde er Professor für die Geschichte des naturwissenschaftlichen Denkens in Genf und stellvertretender Direktor am Institut J.-J.- Rousseau. 1939 berief man ihn auf den Lehrstuhl für Soziologie, 1940 übernahm er Claparèdes Lehrstuhl und wurde Direktor des psychologischen Laboratoriums. Von 1952 bis 1963 übte er zusätzlich einen Lehrauftrag für Psychologie an der Pariser Sorbonne aus und im Jahre 1955 wurde er Direktor des von ihm gegründeten interdisziplinären Forschungsinstituts “Centre international d’épistémologie génétique” an der Universität Genf. Dort befaßten sich Psychologen, Linguisten, Mathematiker und andere Wissenschaftler mit Modellen der Intelligenz und ihrer Entwicklung.

Die Arbeiten Piagets und seiner Mitarbeiter – insbesondere Bärbel Inhelder – führten zu einem Schema, das die Stadien der kognitiven Entwicklung des Kindes beschreibt. In der “sensomotorischen Phase”, die mit sechs Stadien von der Geburt bis zum Alter von zwei Jahren andauert, sind in den Handlungen des Kleinkindes vorsprachliche Intelligenzleistungen zu beobachten. Das Kind ist damit beschäftigt, Kontrolle über seine motorischen Bewegungen zu erlangen und Erfahrungen mit physischen Objekten zu sammeln. In den zwei Stadien der “präoperativen Phase” zwischen zwei und sieben Jahren bahnt sich die Begriffsbildung an und das Kind konzentriert seine Aufmerksamkeit auf den Erwerb sprachlicher Fähigkeiten. Zu diesem Zeitpunkt kann es bereits Dinge benennen und intuitive Schlußfolgerungen ziehen. In der “konkret operationalen Phase” zwischen sieben und elf Jahren, die durch logisches Denken charakterisiert ist, beginnt das Kind, sich mit abstrakten Größen wie Zahlen und Beziehungen auseinander zu setzen. In der “formal operationalen Phase” ab elf Jahren beginnt das Kind schließlich, Hypothesen in seine Handlungen einfließen zu lassen.


 
     
 
 
 
     
 
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