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Psychologielexikon

Überarbeitete Ausgabe

Psychologielexikon

Kohorte

Autor
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Julia Schneider-Ermer

ist definiert als das Aggregat von Individuen - innerhalb einer eingrenzbaren Population, welches dasselbe Ereignis - oder "bedeutsames Lebensereignis" innerhalb eines gleichen Zeitintervalls erfahren hat. Beispiele: Eine Ehekohorte sind all die Paare, die innerhalb eines gegebenen Zeitabschnittes geheiratet haben und Teil der Bevölkerung von Brandenburg sind (was sowohl 18jährige als auch 88jährige sein können); eine Bildungskohorte sind die Studierenden eines Bundeslandes, die im Sommer-Semester 1999 erstmals nach der neuen Diplom-Prüfungs-Ordnung ihre Examina abgelegt haben (dies können 23jährige, aber auch 54jährige sein). Das in der Entwicklungspsychologie bedeutsamste Lebensereignis ist die Geburt, d.h. die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geburtsjahrgang (z.B. alle nach 1989 bis 1991 im Kreis Fulda geborenen Mädchen). Gleicher bzw. ähnlicher Geburtzeitpunkt als "signifikantes" Lebensereignis ist das Ordnungsprinzip, unter dem entwicklungspsychologisch Kohorten untersucht werden. Von einer Kohorten-Analyse kann man erst dann ausgehen, wenn eine oder mehrere Variablen bei einer oder mehreren Geburts-Kohorten zu zwei oder mehreren Zeitpunkten erfaßt wird bzw. werden. Eine Längsschnittstudie ist demnach eine Intra-Kohorten-Studie; eine Querschnittstudie ist eine Inter-Kohorten-Studie. Eine Standard-Kohorten-Tabelle stellt eine tabellarische Anordnung dar, in der sowohl Inter- als auch Intra-Kohorten-Vergleiche möglich sind . In der Tabelle sind Inter-Kohorten-Vergleiche durch Abwärtslesen der Spalten und Intra-Kohorten-Trends durch diagonales Lesen (von links oben nach rechts unten) möglich. Hinzu kommt der Zeitreihen-Vergleich beim Verfolgen der Zeilen: Hier kann auf jedem erfaßten Altersniveau der entsprechende Zeittrend abgelesen werden.

Der sog. Kohorten-Effekt in der Entwicklungspsychologie wird in älteren Werken auch Generationen-Effekt genannt; darunter werden unterschiedliche Umweltkonstellationen bei Individuen verstanden, die bei altersgleichen, aber in verschiedenen Epochen Untersuchten zu differierenden Resultaten führen. Sie erschweren die eindeutige Interpretation, ob Veränderungen rein entwicklungs- oder rein umweltbedingt sind (Konfundierung).

Literatur

Glenn, N. D. (1977). Cohort analysis. Beverly Hills: Sage.

Standard-Kohorten-Tabelle.


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