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Erziehungspartnerschaft

 
     
   
. Während im Mittelalter Kinder noch als kleine Erwachsene angesehen wurden, hat sich seit der Renaissance im europäischen Abendland zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, daß sie erst zum Erwachsenensein erzogen werden müssen. Allerdings bestand diese Erziehung bis weit in die neuere Zeit in einer einseitigen erwachsenen-zentrierten Einwirkung auf Educanden (Trichtermodell). Erst die Ergebnisse der empirischen Entwicklungspsychologie legten die Grundlagen für ein Verständnis von Kindern und Jugendlichen als eigenständigen und unabhängigen Wesen, deren altersspezifische Eigenart bei allen pädagogischen Maßnahmen angemessen zu berücksichtigen ist. Ausgehend von der Erkenntnis, daß Erziehung stets als zwischenmenschliche Interaktion erfolgt, hat sich schließlich in den letzten Jahrzehnten die Einsicht verbreitet, daß Kinder auch selbst aktiv am Erziehungsvorgang teilhaben und ihn mitgestalten können (Erziehungspsychologie). Erziehungswissenschaft und Erziehungssoziologie sprechen teilweise sogar von einem Prozeß der "Selbsterziehung" oder "Selbstsozialisation". Die entsprechenden theoretischen Grundlagen liefert ein ökosystemisches Verständnis des Erziehungsvorgangs mit der Annahme transaktionaler Wechselbeziehungen (transaktionale Beziehung) sowie einer dezentrierten Perspektive. Danach stehen nicht mehr allein die zu erziehenden Kinder und Jugendlichen im Zentrum der Beachtung, sondern der Blick richtet sich auf das gesamte ökologische System bzw. Netzwerk, in dem Erziehung erfolgt und durch das sie wesentlich beeinflußt wird. Lehrer/Erzieher und Educanden werden damit zu Partnern eines gemeinsamen wechselseitigen Veränderungsprozesses (Lompscher & Nickel, 1997). Bei der wissenschaftlichen Analyse wie bei praxisbezogenen Interventionen kann der Focus je nach Zielsetzung stärker auf dem einen oder anderen Partner liegen oder zwischen beiden oszillieren.

Literatur

Lompscher J. & Nickel, H. (1997). Entwicklungs- und Erziehungspartner. In J. Lompscher, H. Nickel, G. Ries & G. Schulz (Hrsg.), Leben, Lernen und Lehren in der Grundschule (S. 33-46). Neuwied: Luchterhand.


 
     
 
 
 
     
 
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