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Fillenbaumsches Paradox

 
     
   
Bezeichnung für den erstaunlichen Gegensatz, wonach einerseits psychologische Untersuchungen und linguistische Überzeugungen nahelegen, daß Verben für das Verständnis von Sätzen die relevanteste Wortkategorie sind und z.B. beim Weglassen des Verbs das Verständnis einfacher Sätze stärker gestört wird als beim Weglassen eines Substantivs. Andererseits werden in zu lernenden Wörterlisten Substantive häufiger als Verben gemerkt. Im wesentlichen sind drei nicht unvereinbare Gründe für die bessere Merkfähigkeit für Substantive denkbar: 1) Substantive stellen individual- und menschheitsgeschichtlich ältere Errungenschaften dar als Verben. Sie werden in entwicklungsgeschichtlich älteren Gehirnteilen gespeichert. Die ersten Wörter von Kindern gehören der grammatischen Kategorie der Substantive an (Mama, Auto, Wauwau usw.). 2) Substantive werden anders als Verben enkodiert, in der Regel wird vermutet, Substantive würden phonologisch, Verben visuell enkodiert. 3) Substantive besitzen andere, deutlichere und leichter zu merkende Marker als Verben. Zur Zeit wird geprüft, a) ob in regressiven Zuständen (Streß, Alkohol usw.) oder bei tabuisierten und damit aufmerksamkeitsbesetzten und im Augenblick des Hörens besonders bewußten Begriffen der Anteil gemerkter Substantive noch größer ist als üblich; b) ob Darbietungsvariationen (semantische, visuelle und akustische) eine Rolle spielen; c) welche Unterschiede in den Wortgestalten der gemerkten und nicht gemerkten Substantive und Verben beim Lernen unbekannter Sprachen bestehen (Sprache).

Literatur

Langenmayr, A. (1997). Sprachpsychologie. Ein Lehrbuch. Göttingen: Hogrefe.


 
     
 
 
 
     
 
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