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Zwillingsforschung

 
     
   
Es gibt eineiige (EZ) und zweieiige Zwillinge (ZZ). Bei den ersten sind die Erbanlagen praktisch identisch, da sie aus einer einzigen befruchteten Eizelle stammen. Die zweiten gleichen sich in ihren Erbanlagen nicht mehr als andere Geschwister, doch werden sie zur selben Zeit geboren und begegnen daher -mehr als andere Geschwister - der Familiensituation, ein Paar zu sein. Die herkömmliche Methode der Zwillingsforschung besteht darin, die Unterschiede in der Ausprägung bestimmter Merkmale bei EZ und ZZ festzustellen und dann die Unterschiede der ZZ von denen der EZ abzuziehen, um den Einfluß der Vererbung hinsichtlich der betrachteten Eigenschaft genauer zu erkennen. (Erbe/ Umwelt-Problem). Dabei wird freilich nicht berücksichtigt, daß EZ in einer besonderen Umwelt aufwachsen, die auf ihre Angleichung hinarbeitet (so werden sie häufig von den Eltern gleich angezogen). Aufschlußreicher wäre es, getrennt aufwachsende EZ zu untersuchen; hier sind die nachweisbaren Unterschiede voll und ganz auf Umwelteinflüsse zurückzuführen, während man bei den Gemeinsamkeiten zusammen aufgewachsener EZ kaum abgrenzen kann, welche Eigenschaften ererbt und welche umweltbedingt sind. Eine weitere Form der Zwillingsforschung ist die Methode des Kontrollzwillings, mit der sich die Wechselwirkung von Reifung und Lernen verfolgen läßt. Man übt zum Beispiel mit einem einjährigen EZ Treppensteigen, während der andere kein Training erhält. In dem beschriebenen Versuch gab das Trainingsergebnis dem geübten Zwilling zunächst einen eindeutigen Vorsprung, der aber im Lauf der Zeit beim Kontrollzwilling durch einfache Reifung wettgemacht wurde: Die frühe Übung führte zu keinem bleibenden Vorsprung. Die jüngste Methode auf dem Gebiet der Zwillingsforschung ermittelt die besonderen Folgen des Aufwachsens als Paar. Es hat sich gezeigt, daß EZ in manchen Persönlichkeitsmerkmalen (wie Neigung, zu herrschen oder sich unterzuordnen) sogar verschiedener sind als ZZ oder gewöhnliche Geschwister. Mit Hilfe der Paarforschung lassen sich auch die Ergebnisse der älteren Zwillingsforschung vielfach sinnvoller auswerten.

 
     
 
 
 
     
 
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