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Artefaktforschung

 
     
   
Artefaktforschung, Forschungszweig, der in seinen Anfängen (Ende der 60er Jahre) unter der Bezeichnung "Sozialpsychologie des Experiments" mögliche Artefakte (Kunstprodukte), d.h. künstlich hervorgerufene Veränderungen und Einflüsse durch sozialpsychologische Variablen thematisierte und unter Beweis stellte (z.B. Versuchsleiter-Effekt). Die Artefaktforschung beschäftigt sich mit den Fragen, wie derartige Kunstprodukte im einzelnen entstehen können, welche Auswirkungen sie im Hinblick auf die Interpretation der Forschungsdaten haben und welche Konsequenzen für die Forschungspraxis zu ziehen sind.

Die extreme Favorisierung des Laborexperiments innerhalb des Methodenarsenals der empirischen Sozialforschung (Forschungsmethoden) wurde durch die Ergebnisse der Artefaktforschung in Frage gestellt. Trotz aller methodischer Schwächen der Artefaktforschung weisen die Ergebnisse nachdrücklich darauf hin, daß die restriktive Vorstellung einer "idealen" Versuchsperson, die "nicht denkt" und ausschließlich auf den intendierten, im Rahmen des Experiments oder der Studie manipulierten Stimulus reagiert, revidiert werden muß. Die Versuchsperson reagiert analog zu sonstigen Alltagssituationen nicht nur auf einen einzelnen Stimulus, sondern stimmt ihr Verhalten auf den Gesamtkontext ab, den sie aus den demand characteristics (Hinweiszeichen der Situation) schlußfolgert. Das heißt: Die normale Versuchsperson denkt eben doch. Die Kritik an der experimentellen Laborforschung führte dazu, nicht-reaktive Meßverfahren (z.B. Inhaltsanalyse, Rollenspiel, Feldbeobachtung) vornehmlich außerhalb des Labors zu propagieren und auf Laborexperimente zu verzichten. Inzwischen werden solche Meßverfahren als eine sinnvolle Ergänzung und Bereicherung des Methodenarsenals der empirischen Sozialforschung gesehen, nicht aber als alleinige Alternative (Alltagspsychologie).

Literatur

Bungard, W. (1987). Artefakte. In D. Frey & S. Greif (Hrsg.), Sozialpsychologie. München: Psychologie Verlags Union.
 
     
 
 
 
     
 
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