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Kritik

 
     
   
ist eine Unterscheidungskunst, und nicht, wie man oft meint, ein bloßes Nörgeln und Herunterziehen. Sie setzt eine eingehende Beschäftigung mit dem Objekt des Urteils und eine Erfahrung voraus, die Vergleichsmaßstäbe bietet. Die Urteilskraft hängt aber ebenso davon ab, daß man subjektive Wünsche überwindet und sich von gängigen Vorurteilen befreit. Eine wirkliche Kritik wird so gut wie nie in die Extreme von Gut und Böse, von Schwarz und Weiß verfallen. Als Unterscheidungskunst wird sie ebenso Licht wie Schatten sehen und beide gegeneinander abwägen. Noch das, was sie verurteilt, wird sie aus den Bedingungen verstehen, aus denen sich der Fehler ergab. Noch in dem, was sie lobt, wird sie die Gefährdung erkennen. In Verruf geraten ist die Kritik aber weniger wegen ihrer Fehlurteile als wegen ihrer Voraussetzung. Man nimmt es ihr übel, daß sie überhaupt fragt, daß sie zerlegt und zersetzt. Es wäre soviel bequemer, alles hinzunehmen, wie es ist, und blindlings zu glauben. Darüber wird nur zu gern vergessen, daß man ohne Fragen keine Antworten erhält.
 
     
 
 
 
     
 
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