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Gut und Böse

 
     
   
moralische Wertung. Sobald die Fähigkeit gegeben ist, die Perspektive eines anderen zu übernehmen, ist eine wichtige kognitive Voraussetzung für die Bewertung von Gut und Böse vorhanden. Diese Fähigkeit entwickelt sich bei Kindern zwischen 18 und 22 Monaten, phylogenetisch besteht sie ab den Menschenaffen. Sie eröffnet die Möglichkeit, sich in Abhängigkeit von den sozialen Auswirkungen einer Handlung zwischen mehreren Verhaltensmöglichkeiten zu entscheiden: In Bezug auf zwischenmenschliche Interaktionen gibt es unter anderem die folgenden zum Teil gegensätzlichen Verhaltensbereiche: 1) Altruismus und Kooperation sowie 2) Rivalität und (agonistische) Aggression. Für beide Verhaltensbereiche gibt es eine Fülle stammesgeschichtlicher Vorprogrammierungen, z.B. Affekte, Gefühle, Antriebe, Hemmungen (Mimik, Tier-Mensch-Vergleich, naturalistischer Trugschluß). Bei der Frage, was bei "natürlichem" (angeborenem und gelerntem) menschlichem Verhalten "gut" oder "böse" ist, erweisen sich die goldene Regel (z.B. Moses, Leviticus, Konfuzius, Buddha, Hillel, Matthäus) und der kategorische Imperativ (Immanuel Kant 1878, Kritik der praktischen Vernunft, § 7), als hilfreich. Sie können mit Vorbehalt als kulturelles Pendant zum reziproken Altruismus der Soziobiologie gesehen werden."

In allen Hochkulturen gibt es schriftliche überlieferte Regeln zum Umgang mit Mitmenschen: z.B. Moses ("Liebe deinen nächsten, wie dich selbst."), Leviticus ("Wie ein Einheimischer aus eurer Mitte gelte euch der Fremdling."), Konfuzius ("Sich darauf verstehen, das [einem selbst] Nahe als Beispiel [für das Verhalten gegenüber anderen] zu nehmen, das kann als Methode der Menschlichkeit gelten."), Buddha ("... nirgends habe ich etwas gefunden, das dem Menschen teurer ist als sein eigenes Ich. Da nun den anderen auch ihr Ich lieb ist, darf, wer sein eigenes Wohl wünscht, keinem anderen ein Leid zufügen."), Rabbi Hillel (möglicherweise ein Lehrer des jungen Jesus: "Was dir selbst unlieb ist, das füg keinem andern zu."), Matthäus ("Alles nun, was ihr wollt, daß es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun."), Wang Anshi (Song-Kanzler 1021-1086. Er folgert aus Konfuzius’ Maxime: "... wer sein eigenes Land bewahren wolle, müsse dies auch den Bürgern anderer Länder zugestehen und dürfe es demnach nicht mit ungerechten Mitteln auf deren Kosten tun ..."). Kants kategorischer Imperativ ist eine konsequente und strenge Auslegung und Weiterentwicklung der goldenen Regel: "Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte." Werden die goldene Regel und der kategorische Imperativ praxisbezogen und konsequent durchreflektiert, dann müssen, um etwa gesinnungsethische Fehler bei weltanschaulichen und transkulturellen Problemen zu vermeiden, Eigen- und Fremdperspektiven gegeneinander abgewogen werden.


 
     
 
 
 
     
 
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