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Individualisierungsthese

 
     
   
von den Sozialwissenschaften diskutierte These (Beck), wonach sich alte soziale Bindungen auflösen und dadurch neue, individuell aushandlungsfähige Entwicklungs- und Verhaltensspielräume entstehen. Diese These betrifft auch politisches Verhalten (Politische Psychologie). Die klassischen Erklärungen für politisches Verhalten waren soziales Milieu und Meinungsführerschaft, Parteiidentifikation, Kandidatenwahrnehmung, Einstellungen zu sozialen Problemen (issue perception). Inzwischen gestaltet sich politisches Verhalten kurzfristiger, personalisierter, kenntnisärmer und wechselhafter. An die Stelle zusammenhängender Weltbilder treten kurzfristige Heuristiken der Sichtbarkeit und Greifbarkeit, d.h., die Menschen strukturieren Probleme und Entscheidungen danach, was an ihnen besonders auffällt und das Feld insgesamt zu charakterisieren scheint, und mit ihnen verbundene Nutzenrechnungen (Werterwartungen für unterschiedliche ins Auge gefaßte Folgen der eigenen Wahlentscheidung: vgl. Anstieg der Wechsel- und Nichtwählerschaft). Auch der seit den 70er Jahren gut belegte Wertewandel hat keine prägenden neuen Orientierungen hinterlassen, weil sich in allen Bevölkerungsgruppen und auch intergenerational die Wertlagerungen inzwischen weitgehend durchmischt haben. Das trug zur Erweiterung traditionaler politischer Verhaltensrepertoires bei, etwa durch die Akzeptanz spontaner, auch illegaler Protestformen. Politische Orientierungen haben also insgesamt erheblich an Flüchtigkeit gewonnen, und welche in einem sozialen Feld überwiegen, hängt von den jeweiligen Konflikten und ihrem Verlauf ab.


 
     
 
 
 
     
 
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