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Psychologielexikon

Überarbeitete Ausgabe

Psychologielexikon

Photopsychologie

Autor
Autor:
Sonja Margarethe Amstetter

eine Teildisziplin der Psychologie, die sich auf die psychologische Betrachtung der Photographie und der Photographierenden konzentriert..Die Kulturtechnik Photographie greift vielfältig in seelische Prozesse ein – dies sogar schon, bevor die Photographie in der heutigen Form existierte. Schon die mit Hilfe der Kamera Obskura gemalten Bilder (z.B. Vermeer) vermitteln die “photographische” Perspektive, die z.B. in der asiatischen Malerei nicht entwickelt wurde. Die Photographie hebt schnelle Bewegungsabläufe in den Bereich des Sichtbaren (z.B. Bewegung der Pferdebeine), die bis dahin (in der Malerei).fehlerhaft dargestellt wurden, und erweitert in dieser und anderer Hinsicht das menschliche Sehen. Aber auch das Erinnern bzw. Gedenken erhält durch die Photographie neue Möglichkeiten: Die Präsenz des Vergangenen, z.B. verstorbener Personen, erhält in der Photographie eine besondere Dauerhaftigkeit. Beim Photographieren nutzen wir diese Möglichkeiten punktuell. In den traditionellen Bahnen wird touristitisch photographiert. Bilder von Freunden und Kollegen der Lebenszeit besitzt man nur in zufälligen Ausschnitten von rituellen Momenten, die Gruppenaufnahmen erbringen (Jubiläen und Abschlußfeiern). Im höheren Lebensalter gehören Photos von geliebten Menschen aber zum hoch geschätzten Besitz, dessen Verlust man nicht riskieren möchte.

Auch Werbung und Propaganda bedienen sich der Möglichkeit der Photographie. Zunächst geht von der Photographie eine besondere “Wahrheitssuggestion” aus. So war es im Moment vor der Kamera wirklich gewesen. Die Mächtigen dieser Welt haben, seit es die Photographie gibt, z.B. mit gestellten, aber auch mit gefälschten Bildern versucht, mit dieser Wahrheitssuggestion unser Geschichtsbild zu beeinflussen. Photographie läßt aber auch den “einfachen” Menschen bildmächtig werden; Nicht nur der Fürst besitzt eine Ahnengalerie, auch der demokratische Bürger. Insofern kann Photographie und auch das Hobbyphoto im assoziativen Umfeld von Freiheit und Demokratie angesiedelt sein (Arbeiterphotographie). Photographie kann in der Psychotherapie Verwendung finden. So wird die Wahrheit des vergangenen Lebens sichtbar. Der Phototherapeut kann dabei spezielle Geschicklichkeiten in der Analyse von Photos gewinnen (Akeret: Photoanalyse). Wie im Alltagsleben kann Photographie zur Versöhnung mit dem eigenen Aussehen (magersüchtige Klienten) oder auch zur Bewältigung von Trennungen eingesetzt werden.

Erst in den jüngsten Jahrzehnten hat sich eine Photopsychologie etabliert, die in ganz besonderem Maße geeignet ist, die historische Bedingtheit menschlichen Verhaltens nachzuvollziehen. Z.B. hat sich ja gerade durch die Konkurrenz der Photographie die Bedeutung der Kunst dramatisch verändert (mit der Erfindung der Photographie war gleich zu Beginn der Untergang von vielen hundert Porträt-Malstudios verbunden).

Literatur

Schuster, M. (1996). Fotopsychologie. Lächeln für die Ewigkeit. Heidelberg: Springer.

Spitzing, G. (1985). Fotopsychologie. Weinheim: Beltz.


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