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Besitzanspruch

 
     
   
Besitzansprüche werden von manchen psychologischen Autoren für ein Stück der menschlichen Natur angesehen (H. Schultz-Hencke), wobei das «Haben-Wollen» in der oralen Phase, das «Behalten-Wollen» in der analen Phase erworben wurde. Doch scheint diese Vermutung nur die Eigenheiten der Ackerbau- und Industriekulturen zu berücksichtigen, während in den meisten Primitivkulturen das kollektive Eigentum eine wichtigere Rolle spielt und in den vor-ackerbaulichen Gesellschaften der Jäger und Sammler Besitz tatsächlich eine Bürde ist. Jeder kann nur soviel besitzen, wie er (oder seine Frau) tragen will oder kann.

Von großer psychologischer Bedeutung ist ferner die «besitzergreifende Liebe», ein auf den Menschen angewandter Besitzanspruch, bei dem die Eigenentwicklung des geliebten Menschen unterdrückt wird, der letztlich dem Narzißmus des besitzergreifend Liebenden dienen muß. Durch solche Besitzansprüche kommt es in Beziehungen zwischen Erwachsenen zu Eifersuchts-Konflikten, oft auch zum Ende der Beziehung selbst. Besitzergreifende Liebe von Eltern kann je nach ihrer Intensität und der Heftigkeit, mit der Abweichungen des Kindes bestraft werden, zu schweren seelischen Einbußen an Selbständigkeit führen. Extrembeispiele finden sich in Familien mit einem an Schizophrenie leidenden Mitglied, wo zum Beispiel ein zwanzigjähriges Mädchen keinen Büstenhalter schließen und keine passenden Schuhe kaufen kann, weil immer alles die Mutter erledigt hat.
 
     
 
 
 
     
 
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