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Gruppenlernen

 
     
   
Sammelbegriff für theoretische Ansätze, in denen Gruppen als "lernende Systeme" betrachtet werden (Lernen). Dabei wird Kognition als kollektives Phänomen aufgefaßt, das durch Prozesse der sozialen Interaktion determiniert ist und in emergente Lernphänomene münden kann, die über die Summe individueller Lernfortschritte hinausgehen.

Gruppenlernen wird vermutet, wenn Progressionskurven der Gruppenleistung bei wiederholter Aufgabenbearbeitung erkennbar sind. Sind Leistungsverbesserungen auf Gruppenebene vollständig auf Lernfortschritte der einzelnen Gruppenmitglieder bei der individuellen Aufgabenbearbeitung zurückführbar (z.B. Automatisierung, Routinisierung, Wissenserwerb), dann kann streng genommen nicht von Gruppenlernen gesprochen werden, denn emergente Lernphänomene sind nicht erkennbar. Erst wenn Formen des Lernens in Gruppen deutlich werden, die sich vom individuellen Lernen unterscheiden, ist der Begriff "Gruppenlernen" gerechtfertigt, z.B. veränderte Arbeitsteilung und Spezialisierung, Technologieentwicklung, neue Standardprozeduren, Normentwicklung über kollektive Aufgabenbearbeitung, Imitation von kollektiven Handlungsstrategien anderer Gruppen oder Wissenserwerb durch Aufnahme neuer Gruppenmitglieder. In der Lernrate (Übungskurve, power law of practice) von Arbeitsgruppen und Organisationen wird inzwischen ein zentraler Wettbewerbsfaktor gesehen. Darüber hinaus wird angenommen, daß ein Großteil des Lernens in Organisationen in Kleingruppen stattfindet.

Das Phänomen des Gruppenlernens ist experimentell noch wenig untersucht. Eine vergleichsweise gut erforschte Komponente ist die Entwicklung transaktiver Wissenssysteme, d.h. ein von einer Gruppe geteiltes System der Enkodierung, Speicherung und des Abrufs von Information. Durch transaktive Wissenssysteme sind einzelnen Gruppenmitgliedern Wissensbestände zugänglich, die nicht sie selbst, sondern andere Mitglieder physikalisch gespeichert haben. In Experimenten wurde gezeigt, daß gemeinsam trainierte Arbeitsgruppen transaktive Wissensstrukturen ausbilden, die die kooperative Aufgabenausführung verbessern, etwa durch Gruppenprozesse, wie das gegenseitige Korrigieren von Fehlern oder das gegenseitige Schließen individueller Wissenslücken.

Literatur

Argote, L. (1993). Group and organizational learning curves: Individual, system and environmental components. British Journal of Social Psychology, 32, 31-51.


 
     
 
 
 
     
 
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