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Hochsprachen

 
     
 
voll flektierende Sprachen mit eigener Grammatik und Morphologie (Wortformenlehre), die bedeutungsgestaltend und bedeutungstransformierend Einfluß nehmen auf den kommunikativ wirksamen Sprachaufbau. Der Satzaufbau ist hierarchisch gegliedert. Im Unterschied dazu ist der agglutinierende (parataktische = nebenordnende) Sprachaufbau weniger differenzierend und eine frühere Phase der Sprachevolution (Auch kann es in Krankheitsfällen zu einer analogen Verflachung des Sprachaufbaues kommen). Agglutinierende Sprachen sind, wie das Wort schon sagt, "aneinanderreihend" oder "verkettend". Die bedeutungstragenden Nominative oder Verben werden in ihren Grundformen benutzt bzw. verkettet, ohne daß räumliche oder zeitlich spezifizierende Partikel eingesetzt werden (oder eingesetzt werden können). "Mann stellen Schüssel Essen Vorngesicht Kind" (nach Stopa). Die Nomina sind in der Regel undekliniert und Verben in ihrer infiniten Form anzutreffen.

Die Evolution dieser frühen, wahrscheinlich mit Homo habilis oder frühen Homo erectus-Formen einsetzenden Sprachbildung ist wenig aufgeklärt. Man ist auf indirekte Informationen und Schlüsse angewiesen. Es scheint in den frühesten Schriftformen einen Widerschein dieser Anfangsstufen der Sprachevolution zu geben. Älteste Schriften sind agglutinierend in dem Sinne, daß den Stammformen Affixe zur Bedeutungstransformation zugeordnet werden: Wie etwa im Deutschen Abwandlungen von Nehmen zu Annehmen - Ausnehmen - Einnehmen durch Affixe zu neuen Bedeutungen führen führen können. Das Altsumerische war eine Silbensprache mit agglutinierendem Charakter. Im Altkoptischen wurden Geschlechtszugehörigkeit, Singular - Plural (letzterer durch einfache Wortwiederholungen) agglutinierend ausgedrückt. Ein wichtiges Kennzeichen flektierender Hochsprachen ist der Differenzierungsgrad spezifischer Präpositionen durch besondere sprachliche Partikeln. Sie sind in manchen Sprachen in die Morphologie impliziert. Im finnisch-ugrischen Sprachkreis, wie z.B. im Esthnischen, heißt Kapp Schrank, Kappi heißt in dem Schrank. Auch das Georgische, eine mit sehr alten Formbildungen behaftete Sprache, ist teils agglutinierend, teils flektierend.

In Zukunft wird man versuchen, evolutionäre Zwischenstufen zwischen sehr frühen, agglutinierenden und späteren, grammatischen Hochsprachen zu definieren. Vielleicht können dabei auch unterschiedliche Altersbestimmungen bei Schriftsprachen helfen. Doch die originären frühen grammatischen Formbildungen sind unwiederbringlich verloren (Sprache).


 
     
 
 
     
 
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