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Hörigkeit

 
     
   
die totale innere Abhängigkeit von einem anderen Menschen, die nahezu immer sexuell bedingt ist. Diese Abhängigkeit fällt vor allem dann auf, wenn ein Mensch mit höheren geistigen Gaben und kultureller Erziehung jemandem hörig ist, der sozial und charakterlich weit unter ihm steht. Wird das sexuelle Verlangen des Hörigen von dem Objekt der Abhängigkeit nicht befriedigt, kann das die Bindung noch verstärken. Oft hat man den Eindruck, daß es das Ziel der Abhängigkeit sei, enttäuscht, erniedrigt und für die unangemessene Liebe bestraft zu werden. So steht die Hörigkeit dem Masochismus nahe. Der Hörige kann seine Bindung selbst nicht erklären. Es wird deutlich, daß sie nicht ursächlich der Person gilt, der jemand hörig geworden ist. Das Objekt der Abhängigkeit verkörpert fast zufällig eine Vorstellung, die unbewußt schon lange vor der Begegnung bestand. Sie wurzelt in einem Komplex aus frühen Wünschen und Ängsten, die nun auf eine Person übertragen werden, die dem alten Imago entspricht. So erinnert den hörigen Mann eine niedrige und gleichwohl letztlich unerreichbare Frau unbewußt an den Konflikt zwischen der kindlichen Begierde gegenüber der sexuell unerreichbaren Mutter und der Erziehung, die jede Sexualität als niedrig hingestellt hat. Die hörige Frau sieht in der Abhängigkeit von einem groben, rücksichtslosen Manne die Vorstellung von der Sexualität als Überwältigung und Unterwerfung bestätigt; und seine Herrschsucht befreit sie zugleich von den Schuldgefühlen, die eine freie Bereitschaft zur Sexualität mit sich brächte. Die Hörigkeit einem bestimmten Partner gegenüber verdeckt die grundsätzliche Abhängigkeit von der Sexualität überhaupt. Und doch ist diese extreme Hörigkeit nur eine Fehlform der »Zugehörigkeit«, ohne die es keine dauerhafte Bindung geben kann. Auffallend stark ist die Bindung eines Mannes an eine Frau, mit der er nach Erfahrungen des sexuellen Versagens zum ersten Mal seine Potenz frei entfalten konnte, oder die Bindung einer Frau an einen Mann, der sie zuerst von der Sexualabwehr befreit hat. Eine Art gegenseitiger »Hörigkeit« stiftet eine lange Erfahrung der Gemeinsamkeit, in der sich die Partner so aufeinander eingestelllt haben, daß sie sich eine Trennung nicht mehr vorstellen können.
 
     
 
 
 
     
 
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