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Lost-Letter-Technik

 
     
   
auch: Technik der verlorenen Briefe, zählt zu einer Gruppe von nicht-reaktiven Erhebungsverfahren, die primär immer dann eingesetzt werden, wenn die Versuchspersonen aus der Untersuchungssituation so viele Informationen über Fragestellung und Ziel einer Untersuchung ableiten können, daß eine unvoreingenommene Datenerhebung nicht mehr gewährleistet ist.

Die Technik der verlorenen Briefe, 1965 von Milgram, Mann und Harter als Verfahren zur Erfassung der Einstellungen gegenüber politischen Gruppen und Institutionen populär gemacht, zählt zu den am häufigsten eingesetzten nicht-reaktiven Meßverfahren (Sechrest & Belew, 1983). Der Kern dieses variationsreichen Verfahrens besteht darin, frankierte und adressierte Briefumschläge auf Straßen, öffentlichen Plätzen, in Kaufhäusern oder Telefonzellen angeblich zu verlieren. Für jeden Adressat wird die Zahl der von den Findern abgeschickten Briefe ermittelt, so daß aus dem Verhältnis der verlorenen zu den abgeschickten Briefen auf die Einstellung der Bevölkerung einer Stadt oder Gemeinde zum jeweiligen Adressaten geschlossen werden kann. So kamen in einer der ersten Untersuchungen mit diesem Verfahren von je 100 verschickten Briefen an die Parteizentrale der kommunistischen Partei 25 Briefe an, an die Nazi-Partei ebenfalls 25, an einen Verein zur Förderung der medizinischen Forschung 72 und an die Privatadresse eines Mr. Walter Carnap 71 Briefe.

So überzeugend auf den ersten Blick dieses - ebenso wie verwandte Techniken, etwa die Technik der verlorenen Brieftasche oder des verlorenen Portemonnaies - Verfahren auch erscheinen mag, so hat es auch seine Tücken, wenn man es dazu verwenden will, Rückschlüsse auf die Einstellungen von Teilen einer Bevölkerung zu ziehen: Es ist schwierig, einen geeigneten Ort ausfindig zu machen, an dem die Briefe ausgelegt werden sollen, denn letztendlich legt man sich damit auf die "Repräsentativität der Situation" für die Untersuchung fest. So werfen die einen die Briefe deshalb nicht ein, weil sie die Briefmarken behalten wollen, die anderen hoffen auf Bargeld oder Schecks und wieder andere haben Zweifel, ob der Absender den Brief denn auch wirklich auf den Weg bringen wollte, d.h. das Verhalten, den Brief nicht abzuschicken, ist nicht unbedingt ein Indiz für die mit der Adresse in Zusammenhang gebrachte Einstellung.

Literatur

Milgram, S., Mann, L. & Harter, S. (1965). The lost letter-technique: A tool of social research. Public Opinion Quarterly, 29, 437-438.

Sechrest, L. & Below, J. (1983). Nonreactive measures of social attitudes. In L. Bickman (Ed.), Applied social psychology annual (Vol. 4, pp. 23-64). Beverly Hills


 
     
 
 
 
     
 
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