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Naikan-Therapie

 
     
 
nicht-direktives, meditatives asiatisches Therapieverfahren (jap.: Naikan = Selbstreflexion, Selbstbeobachtung, Innenschau), das von Isshin Yoshimoto, einem Laienpriester und ehemaligen Geschäftsmann aus dem Jodo Shinshu-Buddhismus, entwickelt wurde. Der Naikan-Klient entwickelt durch die vom Therapeuten angeleitete Selbstreflexion über seine Vergangenheit ein Verständnis dafür, wie viel andere Menschen für ihn getan haben, wie viel oder wenig er ihnen zurückgegeben hat und wie viel Kummer und Leid er den Menschen bereitet hat, die für ihn Bedeutung haben. Die einwöchige Therapie zielt darauf ab, Schuldbewußtsein und den Wunsch zur Selbstaufopferung im Dienste anderer zu erzeugen, um das "soziale Konto" wieder auszugleichen. Diese "Charakterbildung" wurde zuerst im japanischen Strafvollzug und in der Resozialisation (Suchtkranke, jugendliche Kriminelle) eingesetzt und schließlich auf die Geschäftswelt und auf Schulen ausgeweitet. Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, zuhause ein Naikan-Tagebuch zu führen, in dem jeden Tag für etwa eine Stunde die Erinnerungen zur Vorlage im therapeutischen Gespräch festgehalten werden. Der theoretische Ansatz ist vergleichbar mit den Annahmen der Integritätsgruppen: Die Quellen neurotischer Symptome seien unsere Missetaten und unsere Versuche, sie vor wichtigen Bezugspersonen (v.a. Mutter, Geschwister, Lehrer, Arbeitskollegen, Vorgesetzten, Ehepartner, Kinder) zu verbergen und keine Verantwortung dafür zu übernehmen. Der therapeutische Prozeß soll dazu führen, ein "Geständnis" gegenüber dem Therapeuten oder anderen Bezugspersonen über seine Missetaten abzulegen und einen neuen Standard zur Sebstbeurteilung zu entwickeln. Wird die Therapie im Naikan-Therapiezentrum durchgeführt, hat sich der Klient einem ritualisierten Tagesablauf zu unterwerfen (drei isoliert einzunehmende Mahlzeiten, ein zehnminütiges Bad nehmen, Körperpflege, Saubermachen des Zimmers). Wie Nachuntersuchungen zeigen, setzen nur wenige Klienten nach Ablauf der Naikan-Woche zuhause die empfohlenen Reflexionen fort, und kaum ein Klient teilt die Reflexionen, wie erwünscht, dem Therapeuten schriftlich mit.

Literatur

Reynolds, D. K. (1983). Naikan-Therapie. In R. J. Corsini (Hrsg.), Handbuch der Psychotherapie. Weinheim: Beltz.


 
     
 
 
     
 
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