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narratives Interview

 
     
   
1977 von Fritz Schütze entwickeltes Verfahren, stellt neben dem fokussierten Interview (nach Merton und Kendall) und dem problemzentrierten Interview (nach Witzel) ein wichtiges Verfahren der qualitativen Sozialforschung (Forschungsmethoden), insbesondere der Biographieforschung dar. Es ist ein "offenes" Verfahren, das den Interviewpartnern ermöglichen soll, eigene Erlebnisse und Erfahrungen selbst zu strukturieren und zu erzählen. In der Einstiegsphase stellt der Interviewer eine offen gehaltene Eingangsfrage, die der "Hervorlockung" von Stegreiferzählungen über die thematisierten Erfahrungsbereiche dient. In der zentralen Erzählphase hält sich der Interviewer weitgehend zurück; er hat nur die Aufgabe, durch geeignetes Signalisieren seines Interesses die Erzählungen in Gang zu halten. Erst in der Nachfragephase können weitere Informationen direkt erfragt und Unstimmigkeiten geklärt werden. In der Bilanzierungsphase wird schließlich, sofern sich das anbietet, die gesamte Erzählung "auf einen Nenner" gebracht, bevor in der Abschlußphase das Gespräch beendet wird. Die Dauer des Interviews richtet sich nach Thema und Interviewpartner und kann ggf. auf zwei Sitzungen aufgeteilt werden. Die Auswertung zielt u.a. auf die Herausarbeitung von "Prozeßstrukturen des Lebensablaufes".

Bei Vorliegen bestimmter Bedingungen unterliegen Stegreiferzählungen kommunikationstheoretisch bestimmten "Zugzwängen" des Erzählens: dem Gestaltschließungszwang (eine angefangene Geschichte wird auch zu Ende erzählt), dem Kondensierungszwang (der Konzentration auf das wesentliche) und dem Detaillierungszwang (der sinnhaften Verknüpfung relevanter Teilaspekte). Die Annahme Schützes, diese Zugzwänge gewährleisteten eine adäquate Rekonstruktion der zum Zeitpunkt des Geschehens aktuellen Handlungsorientierungen, ist in der allgemeinen Biographie- und Erzählforschung allerdings umstritten.

Literatur

Schütze, F. (1982). Narrative Repräsentation kollektiver Schicksalsbetroffenheit. In E. Lämmert (Hrsg.), Erzählforschung (S. 568-590). Stuttgart: Metzler.


 
     
 
 
 
     
 
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