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Pinel-Itard-Kontroverse

 
     
   
eine Diskussion, die ihren Ursprung hat in den kontroversen Meinungen des Psychiaters Philippe Pinel (1745–1826) und seines Schülers Jean Marc Gaspard Itard (1774–1837) zur Erziehung und Sozialisierung des sog. “Wolfsjungen” Victor aus Aveyron. Victor, ein völlig wild, ohne jeglichen Kontakt zu Menschen aufgewachsener Junge, wurde 1800 im Alter von 10–12 Jahren aufgegriffen und zur wissenschaftlichen Begutachtung nach Paris gebracht. Dort stuft Pinel, der bekannteste französische Psychiater seiner Zeit, den sprachlosen Jungen als hoffnungslosen Fall schwerer Schwachsinnigkeit ein. Doch Itard, Chefarzt der ersten Taubstummenanstalt in Paris, meint, der Junge sei nicht von Natur aus, sondern durch die kulturelle und erzieherische Vernachlässigung so stark behindert. Er nimmt sich seiner an und wendet mit großem anfänglichem Erfolg seine Techniken für die Erziehung Taubstummer und die Methode der “moralischen Behandlung” von Pinel an. Victor lernt Lesen und Schreiben und sich in Gesellschaft zu benehmen. Doch er lernt nie richtig zu sprechen und für seinen Lebensunterhalt zu sorgen und – obwohl er völlig gesund ist, sucht er nie sexuellen Kontakt. Itard bricht nach vier Jahren seine Behandlung ab. In Frankreich löste der Fall eine rege wissenschaftliche Diskussion um die Einflüsse von vererbter Konstitution und sozialem Umfeld aus, eine Kontroverse, die bis heute noch nicht vollständig geklärt ist (Anlage-Umwelt-Problematik).


 
     
 
 
 
     
 
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