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Primärpozeß

 
     
   
auch: Primärvorgang, aus Sicht der Psychoanalyse ein alogischer und akausaler Denk- und Wahrnehmungsprozeß – im Unterschied zum Sekundärprozeß des Bewußtseins mit seinen formal logischen Denkweisen (dynamisch Unbewußtes). Nach S. Freud zeichnet sich der Primärprozeß durch archaische, unstrukturierte Vorgänge aus, in denen weder Kausalität noch Realitätsorientiertheit bedeutsam sind; vorherrschend sei das Streben nach Triebentladung und Wunscherfüllung. Diese archaischen Tendenzen, (Bedürfnisbefriedigung auf dem schnellstmöglichen Weg) würden keinerlei Entwicklung durchlaufen, sondern blieben ein ganzes Leben unverändert bestehen. Diese klassische Sichtweise wurde inzwischen mit überzeugenden Argumenten, z.B. von P. Noy, revidiert: Demnach operiere jede kognitive Funktion auch beim Erwachsenen nach den beiden Organisationsmodi (Primärprozeß und Sekundärprozeß), die Funktionsweisen würden sich entwickeln und sich hinsichtlich ihres optimalen Ausprägungsgrades unterscheiden lassen. Ein gut entwickeltes kognitives Funktionieren würde eine Balance zwischen den beiden Modi erforderlich machen: Die primärproßhafte Organisation ist demnach für die Regulierung, Aufrechterhaltung und Entwicklung des Selbsterlebens zuständig (für die Assimilation neuer Erfahrungen, für die Integration des Selbst mit dem Ziel, Identität und Kontinuität aufrechtzuerhalten). Die Funktion des Sekundärprozesses besteht demnach darin, Wahrnehmen, Denken und Handeln entsprechend den Realitätserfordernissen zu organisieren.

Literatur

Mertens, W. (1998). Psychoanalytische Grundbegriffe (2. Aufl.). Weinheim: Beltz – Psychologie Verlags Union.


 
     
 
 
 
     
 
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