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Trauma psychisches

 
     
   
ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt. Das Kriterium vitales Diskrepanzerlebnis schränkt Trauma auf einen vitalen, im Extrem lebensbedrohlichen Typ von Ereignissen oder Umständen ein. Die traumatische Wirkung geht jedoch nicht allein von dem Ereignis als solchem aus, sondern aus seiner Diskrepanz zu den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten. Hier liegt eine relationale oder ökologische Definition vor, die auf die Relation zwischen Ereignis und persönlicher Erfahrung zielt. Wir wissen heute, daß nicht ”Angst” oder ”Streß” die traumatische Wirkung hervorrufen, sondern das Erlebnis von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe an bedrohliche Umwelteinflüsse. So ist Trauma das subjektiv unfaßbare Geschehen, das unser Selbst- und Weltverständnis dauerhaft erschüttern kann.

Diese Definiton des Traumas greift die wichtigsten, in der internationalen Forschung diskutierten Aspekte von traumatischem Erleben und Verhalten auf: In den modernen diagnostischen Manualen DSM IV und ICD 10 wird psychisches Trauma vor allem unter der sog. posttraumatischen Belastungsstörung (post traumatic stress disorder) abgehandelt. Hier liegt eine terminologische Engführung zwischen dem traumatischen Ereignis und seinen seelischen Folgen vor. Im Vergleich mit einer medizinischen Verletzung, etwa dem sog. “Schädel-Hirn-Trauma” würde wahrscheinlich niemand auf die Idee kommen, von einem “posttraumatischen Schädel-Hirn-Trauma” zu sprechen. So sollte auch in der psychologischen und psychosomatischen Traumatologie zwischen dem äußeren Anlaß, etwa einem Verkehrsunfall, einer Naturkatastrophe oder der Einwirkung menschlicher Gewalt auf der einen und den psychischen Folgen auf der anderen Seite terminologisch deutlich unterschieden werden. Um diesen Definitionsproblemen zu entgehen, schlagen Fischer und Riedesser (1998) den Begriff Psychotraumatisches Belastungssyndrom (PTBS) vor (Psychotraumatologie). Handlungstheoretisch können wir Trauma als ein unterbrochenes Wahrnehmungs-/Handlungsschema bezeichnen, eine ”fight vs.flight”-Reaktion, die das betroffene Indviduum hilflos zurückläßt und in extremen Fällen zu Erstarren, zum sog. “freezing” führen kann – einer Art von Totstellreflex, der sich auch bei extrem bedrohten Tieren findet. Eine menschliche Analogie hierzu kann im Symptom “Abstumpfung"/“Betäubung" des basalen Psychotraumatischen Belastungssyndroms gesehen werden.

Literatur

Fischer, G. & Riedesser, P. (1998). Lehrbuch der Psychotraumatologie. München: Ernst-Reinhard (UTB).

Janoff-Bulman, R. (1992). Shattered assumptions: Towards a new psychology of trauma. The Free Press, New York.


 
     
 
 
 
     
 
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