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Einbildung

 
     
   
In eine Vorlesung bringt der Professor ein kleines Fläschchen mit, öffnet es und bittet die Hörer, sich zu melden, wenn sie den besonderen Geruch spüren, der aus ihm strömt. Nach etwa zehn Minuten haben sich mehr als die Hälfte der Studenten gemeldet. Jetzt unterbricht der Professor das unfreiwillige Experiment. Das Fläschchen enthält keinen Geruchsstoff; die Wahrnehmung der Studenten beruhte auf Einbildung. Von ihr sprechen wir dann, wenn eine Vorstellung (ein inneres Bild) Auswirkungen hat, die sich sonst nur bei wirklichen Wahrnehmungen finden. Ein Mensch, der krebskrank ist und sich deshalb große Sorgen macht, erweckt unser Mitgefühl. Es ist viel schwieriger zu verstehen, wie jemand sich alle Zeichen der Krebskrankheit einbilden kann, und dann auf diese Zeichen mit eben derselben ängstlichen Sorge reagiert. Man sollte zwischen der Einbildung «im Dienst des Ich» und der krankhaften Einbildung unterscheiden. Die erste befähigt etwa einen Schauspieler, die Rolle eines Menschen überzeugend zu spielen, mit dem er in Wirklichkeit nichts gemein hat. Die zweite wird sehr oft vom Unbewußten beeinflußt, etwa vom Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung, die dem Kind nur dann erfüllt wurden, wenn es krank war. Der Erwachsene gerät so in Gefahr, durch unbewußte Einbildung Krankheiten zu übernehmen, um diese Zuwendung zu erhalten. Dabei kann man davon ausgehen, daß jeder Mensch in Belastungssituationen Einbildungen erliegen kann. So neigen Medizinstudenten zu Beginn ihrer Studienzeit sehr dazu, sich verschiedene Krankheiten, von denen sie lesen, einzubilden. Suggestion, Hypnose
 
     
 
 
 
     
 
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