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Gefängnisexperiment

 
     
   
von amerikanischen Sozialpsychologen (Haney, Banks und Zimbardo) 1973 durchgeführtes Simulationsexperiment, in dem studentischen Versuchspersonen nach Zufallsauswahl die Rolle eines Wärters oder eines Gefangenen in einem zu einer Arrestzelle umgebauten Kellerraum des Instituts für Pschologie der Stanford-Universität zugeteilt wurde. Die zunächst relativ harmlos erscheinende Rollenzuweisung entwickelte nach kurzer Zeit eine Dynamik, die in dieser Form niemand vorhergesehen hatte. Nach sechs Tagen mußte das Experiment abgebrochen werden. Es war zu sadistischen Behandlungen und Mißhandlungen der Gefangenen einserseits (z.B. nächtliche Zählappelle, Verwehrung von Toilettengängen), zu psychischen Zusammenbrüchen mit schweren emotionalen Störungen (hysterisches Weinen, Depressionen) oder tiefer Resignation und Hilflosigkeit andererseits gekommen. Gegen dieses Experiment wurden sowohl ethische Vorwürfe (Ethik im Humanexperiment) als auch wissenschaftliche Zweifel angeführt (Artefaktforschung). Trotz der Kontroverse über die Validität der Simulation bleibt festzuhalten, daß die Übernahme einer Rolle und das Tragen einer entsprechenden Etikette wie "Gefangener" oder "Wärter" überraschende Veraltensänderungen der Beteiligten zur Folge haben kann. Die Befunde widersprechen einer fundamentalen Überzeugung vieler Menschen, wonach die Ursachen kriminellen Verhaltens primär bei der Person zu suchen seien (s. Milgram-Experiment über die Gehorsamsbereitschaft).


 
     
 
 
 
     
 
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