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Depression

 
     
 
niedergedrückte Stimmung, Schwermut oder, wie man früher gern sagte, Melancholie. Die Neigung zu Depressionen kann ein Charakterzug sein. In der antiken Typologie betrachtete man sie als eines der vier Temperamente und glaubte die Schwermut des Melancholikers auf die Tätigkeit der »schwarzen Galle« zurückführen zu können. Oft wechseln Depressionen mit gehobenen, »manischen« Stimmungen ab. Das ist ein Kennzeichen der »pyknischen« Konstitution, die nach Ernst Kretschmer mit einem »zyklothymen« Charakter einhergeht: der »rundwüchsige« Typ neigt zu zyklischen Schwankungen zwischen »himmelhoch jauchzend« und »zu Tode betrübt«. Wird die Schwankungsbreite besonders kraß, spricht man von »zykloiden« Typen, deren Verhalten bereits krankhaft wirkt. Im Extrem wird daraus das »manisch depressive Irresein«, das tatsächlich bei Menschen mit pyknischem Körperbau auffallend häufiger auftritt. Eine vorübergehende Periode starker Depressionen kann auch ohne den Umschwung in manisch-»hypertymische« (überschwengliche) Stimmungen bleiben. Diese Art der Depressionen ist meist mit dem Gefühl eines Verlustes verbunden, oft ohne daß man sagen kann, was verlorengegangen ist. In dieser Hinsicht ähnelt die Melancholie der Trauer. Doch sie gilt nicht eigentlich dem Verlust eines geliebten Menschen oder einer wertvollen Sache, sondern einem Verlust an Selbstwertgefühl.Gedrückte, traurige Stimmung; eine der häufigsten und wichtigsten seelischen Erkrankungen. Gemeinsam ist fast allen Depressionen die gedrückte Grundstimmung, die Veränderung der Zukunftswahrnehmung in einem negativen Sinn (es wird immer alles schlecht ausgehen; die Depression selbst wird nie aufhören, eher schlechter werden). Darüber hinaus kann die Krankheit viele unterschiedliche Formen annehmen. Die wichtigsten sind:

1. Die gehemmte Depression, wobei der Kranke sich kaum mehr bewegen will, das Bett nicht mehr verläßt, sich für nichts mehr interessieren kann. In leichteren Fällen wird diese Hemmung zwar gespürt, aber trotz subjektiven Leidens überwunden, so daß der Kranke seine Alltagspflichten weiter erfüllen kann. In schweren Fällen sitzt oder liegt er völlig teilnahms- und interesselos da.

2. Die erregte oder agitierte Depression ist durch eine ängstliche Überaktivität des Kranken, verbunden mit gedrückter Stimmung, Schuldgefühlen und Angst gekennzeichnet. Der Kranke kann keine Ruhe finden, auch nachts im Schlaf nicht; gleichzeitig fühlt er sich zu konsequenter Arbeit unfähig, klagt oft, wobei er die heftigste Kritik gegen sich selbst richtet.

3. Die hypochondrische Depression. Hier werden Schuldgefühle und Ängste gewissermaßen verkörperlicht; der Kranke ist trotz fehlender Krankheitszeichen felsenfest davon überzeugt, an Krebs im Endstadium oder an einem Herzinfarkt zu leiden.

4. Die paranoische Depression. Der Kranke äußert wahnhafte Schuldgefühle und Beeinträchtigungsideen, bezichtigt sich schrecklicher Verbrechen («Ich habe damals meinen Vater umgebracht, ich hätte ja wissen müssen, daß er zuckerkrank ist»), fühlt sich verfolgt und tödlich bedroht (zum Beispiel durch eine terroristische Verschwörung) .

5. Bei den anankastischen Depressionen herrschen Zwangsvorstellungen vor; sie unterscheiden sich nur durch ihr periodisches Auftreten und Abklingen von schweren Zwangsneurosen.

6. Bei den vegetativen Depressionen, manchmal auch larvierte oder maskierte Depressionen genannt, finden sich keine Zeichen von Trauer, oft überhaupt keine bewußten Merkmale einer seelischen Erkrankung, sondern nur körperliche Erscheinungen, die übrigens auch bei den anderen Formen der Depression selten fehlen: Appetitlosigkeit, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Gewichtsverlust, Verstopfung, Herzmißempfindungen (vegetative Dystonie).

Depressionen gehören zu den quälendsten Leiden überhaupt; Kranke, die den jähen Schmerz eines Herzinfarkts und eine Depression erlebt haben, hielten im nachhinein die Depression für weitaus unangenehmer. In vielen Fällen ist der Zustand des Kranken in den Morgenstunden am schlechtesten; abends hellt sich die Stimmung auf. Nur wenige Depressive denken überhaupt nicht an Selbstmord; etwa zehn Prozent unternehmen tatsächlich einen Selbstmordversuch. Die Ursache der Depressionen ist nicht bekannt. Es gibt Hinweise darauf, daß in manchen Fällen eine Störung im Hirnstoffwechsel lebenswichtiger Eiweißstoffe (biogene Amine) mitbeteiligt ist, doch kann man kaum entscheiden, ob diese Störung die Ursache oder bereits eine Folgeerscheinung der Depression ist.

Die herkömmliche Einteilung der Depressionen nach ihrer mutmaßlichen Ursache, wie sie in der Nervenheilkunde meist vorgenommen wird, ist von sehr begrenztem Wert. Man unterscheidet dort:

1. Endogene Depressionen, die «von innen heraus» (endogen) auf Grund einer ererbten Anlage entstehen sollen. Genauere Forschung (P. Matus-sek und andere) konnte aber zeigen, daß auch bei diesen Depressionen meist ein Anlaß vorliegt. Die Erbforschung erweist eine familiär erhöhte Neigung zu dieser Krankheit, doch können die Erbanlagen allein offenbar die Depression nicht auslösen, weil sie sonst bei eineiigen Zwillingen immer bei beiden Partnern auftreten müßte, was nicht der Fall ist. Wahrscheinlich wirken auch bei den «endogenen» Depressionen Erbanlagen und Umwelteinflüsse (siehe unter neurotische Depression) zusammen. Bei etwa einem Viertel der endogenen Depressionen treten gelegentlich auch Manien auf; man spricht deshalb auch manchmal (vor allem in älteren psychiatrischen Lehrbüchern) von einer manisch-depressiven Psychose.

2. Neurotische Depressionen sind äußerlich oft von angeblich endogenen Depressionen nicht zu unterscheiden; manchmal wird auch erst nach einer erfolgreichen Psychotherapie statt einer endogenen eine neurotische Depression angenommen. Bei den neurotischen Formen der Depression handelt es sich oft um Menschen mit einem starken, übermächtigen Über-Ich, die sich, um ihre Gewissensängste zu erleichtern, an andere Menschen (Eltern, Partner) anklammern und bei drohendem (oft nur phantasierten!) Verlust dieser Partner in eine Depression verfallen. Hier ist eine Psychotherapie möglich, die vor allem auf eine Abschwächung der Gewissensängste abzielt. Diese werden in der Psychoanalyse als gegen die eigene Person gerichtete Aggression aufgefaßt.

3. Reaktive Depressionen und Erschöpfungsdepressionen werden nicht durch unbewußte Konflikte, sondern durch eine zumindest teilweise offenkundige Überforderung und Überlastung ausgelöst, zum Beispiel bei Gastarbeitern, bei Müttern nach der Geburt eines behinderten Kindes oder nach einem Todesfall. Es handelt sich um ein Mehr an normaler Traurigkeit als Reaktion auf belastende Ereignisse, oder auch um ein weit überdurchschnittliches Maß an Belastung.
 
     
 
 
     
 
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