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Selbstmord

 
     
   
die freiwillige Beendung des Lebens, die teils als Verbrechen angesehen wird, weil sich damit ein Einzelner endgültig der Gemeinschaft entzieht, teils aber auch als ein Beweis des Mutes, wenn jemand mit dem Freitod die Unvereinbarkeit einer sinnvollen Existenz mit den äußeren Bedingungen einbekennt. Ganz deutlich wird der Suicid als Konsequenz eines Ideals, das sich nicht verwirklichen läßt, im Märtyrertod, der ja meist vermeidbar wäre, wenn nur das Ideal aufgekündigt würde. Andere Formen des Freitodes, die nicht als Selbstmord auffallen, sind das Aufsuchen von unnötigen Gefahren, zum Beispiel im Kriege, in dem mancher den Tod findet, den er gesucht; und die Bitte um Erlösung aus einer schweren unheilbaren Krankheit durch den Arzt (Euthanasie). Es ist wohl unbestreitbar, daß es Situationen gibt, in denen die besonderen Belastungen des Lebens im Verhältnis zu den noch möglichen Befriedigungen unerträglich geworden sind. Aber meist ist der Selbstmord eine Kurzschlußhandlung aus vorübergehender Verzweiflung, die unterblieben wäre, hätte es eine vernünftige Prüfung der Lebensmöglichkeiten gegeben. Am häufigsten kommen Selbstmorde in den typischen Krisen des Altersablaufs vor, also in der Pubertät, der Adoleszenz, den Wechseljahren, vor dem Greisenalter. Viele Selbstmordversuche werden unbewußt so arrangiert, daß ein rechtzeitiges Zurückholen ins Leben wahrscheinlich ist. Es wäre aber ganz falsch, sie deshalb nicht ernst zu nehmen. Sie stellen vielmehr eine Warnung an die nächsten Mitmenschen dar, signalisieren eine tiefe seelische Not, meist vor allem einen Mangel an Liebeszuwendung. Solche Selbstmordversuche, die ja »versehentlich« gelingen können, sind eigentlich als Bestrafung derer gedacht, deren Liebe entbehrt worden ist. Der Selbstmörder will sie gleichsam in seinen Tod mitnehmen. Zugleich hat die Liebesenttäuschung die aggressiven Tendenzen gestärkt; der Liebeskonflikt hat sie gegen die eigene Person ge ksteehigrtertu.nd zur Todessehnsucht ge Die Umwelt, die einen Selbstmörder eben als Mörder anklagt, verdeckt mit dem Schuldspruch das Gefühl der Mitschuld, die sie nicht zugeben mag.Nur dem Menschen eigentümliches, bereits in Primitivkulturen (wenn auch sehr selten) beobachtetes Verhalten, das auf eine Beendigung des eigenen Lebens hinzielt. Die Ursachen sind sehr vielfältig. Eine sehr wichtige Unterscheidung ist die zwischen dem typischen Selbstmord und dem typischen Selbstmordversuch. Es hat sich gezeigt, daß der vollzogene Selbstmord am häufigsten bei älteren, körperlich kranken und depressiven Menschen (Depression) vorkommt, während der Selbstmordversuch (meist mit Schlaftabletten) vor allem bei jüngeren Menschen in einer akuten beruflichen (Schule, Studium, Arbeitsplatzverlust) oder privaten (Liebeskummer) Konfliktsituation zu beobachten ist. Dabei gibt es auch Fälle, in denen ein Selbstmordversuch «versehentlich» gelingt. Obwohl bei vielen Selbstmordversuchen eine Rettung unbewußt eingeplant ist, darf man sie nicht als «Show» oder «Demonstration» abtun. Jeder Selbstmordversuch ist ein Alarmzeichen für eine gestörte Persönlichkeitsentwicklung, wobei neben der Unfähigkeit, Aggressionen offen zu äußern (der Angriff wird vielmehr gegen das eigene Selbst gerichtet), vor allem eine große Empfindlichkeit für Kränkungen des eigenen Narzißmus festzustellen ist. Der Selbstmörder sucht meist nicht den Tod, sondern nur einen Ausweg aus einer für sein Selbstgefühl unerträglichen Situation. In vielen Großstädten gibt es heute Selbstmordverhütungszentren, die meist mit der Telefonseelsorge und mit Psychotherapeuten zusammenarbeiten. Sie helfen in Krisensituationen, wenn der Gedanke an einen Selbstmord übermächtig zu werden droht.
 
     
 
 
 
     
 
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