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Typologie

 
     
   
ein System der Einteilung menschlicher Charaktere, das von Merkmalen ausgeht, die bei sehr vielen Menschen in ähnlicher Weise auftreten, und durch die sie sich von anderen Einzelnen oder Gruppen deutlich unterscheiden. Meist wird eine Kombination verschiedener Ei genschaften als kennzeichnend für einen Typ angesehen. Nicht alle Menschen eines Typs haben alle diese Merkmale, aber doch ein jeder so viele von ihnen, daß man auf ähnliche Charaktere schließen und ähnliche Verhaltensweisen erwarten kann. Doch jeder einzelne Mensch hat auch stets andere als die typischen Eigenschaften. Manche Typologien beruhen auf praktischer Erfahrungund lassen sich nicht zu einem System ordnen, das irgendwelche Voraussagen über Unbekannte erlaubt. Das gilt etwa für die Typen, die Moli&e in seinen Komödien zeichnete. Für die wissenschaftliche Psychologie sind erst die Versuche zu einer begründbaren Ordnung fruchtbar. In einigen dieser Ordnungen wird jedem Typ nur ein wichtiger Grundzug zugeordnet, so bei der Typologie der Antike und des Mittelalters das Temperament. Für den Schüler und Gegenspieler Freuds C. G. Jung war der Gegensatz zwischen introvertiert (nach innen gerichtet) und extravertiert (nach außen lebend) entscheidend. Freud selbst zeichnete den Anal-Charakter nach, der durch eine gesteigerte Bedeutung der analen Kindheitsphase und die Reaktionen darauf bestimmt wird. Dies bedeutete aber schon eine Kombination von Merkmalen, die sich aufeinander beziehen und eine gemeinsame Ursache haben. Ähnlich könnte man von einem Oral oder einem Urethral-Charakter sprechen (vgl. Urolagnie). Doch wurde der Ansatz zu einer psy choanalytischen Typologie kaum in diesem Sinne ausgebaut. Großen Einfluß hatte die Konstitutionslehre von Ernst Kretschmer, der eine Beziehung zwischen Körperbau und Charakter nachwies. Willhart S. Schlegel geht von einer Reihe zwischen »andropomorphen« (männlichen) und »gynäkomorphen« (weiblichen) Körperformen aus, in der 40% aller Menschen zu Zwischenstufen gehören sollen. Aus dieser Zuordnung werden viele Formen des Verhaltens, besonders in sexueller Beziehung, erklärt. Die astrologische Typologie, die jeweils eine Reihe von Charaktermerkmalen dem Tierkreiszeichen zuordnet, unter dem ein Mensch geboren wurde, vermittelt tatsächlich einen recht guten ersten Eindruck, wie immer man sich diesen Zusammenhang erklären will. Andere Typenlehren beziehen sich auf Wertvorstellungen, die einer Gruppe von Menschen gemeinsam sind. Das gilt vor allem für die Typologie des deutschen Philosophen Eduard Spranger (t 1963). Er stellte sechs Typen dar: den theoretischen, den ökonomischen, den ästhetischen, den sozialen, den Macht und den religiösen Menschen. Man könnte auch von Entwicklungen ausgehen, wie sie eine bestimmte Lebensform, ein Stand oder Beruf gemeinhin fördern. Viele Menschen werden Beamte oder Soldaten, Priester oder Wissenschaftler, Kaufleute oder Künstler, weil ihr Charakter sie dazu drängt. Die Forderungen wie die Traditionen des Berufes formen das Wesen mehr oder weniger einheitlich nach. Doch muß man immer bedenken, daß nicht alle Angehörigen eines solchen Standes »typische« Beamte usw. sind. Alle Typologien leiden darunter, daß man die Fülle menschlicher Charakterentwicklungen in kein System pressen kann. Immer gibt es Mischtypen, die sich kaum definieren lassen, oder Ausnahmen, die die Regeln infrage stellen. Auch lassen sich Frauen meist noch weniger einem bestimmten Typ zuordnen als Männer. Schon die Vielfalt der Typenlehre zeigt, daß sich auf keine Weise das Wesen eines Einzelnen auf Grund von Gruppenmerkmalen wirklich erschließen läßt, so nützlich eine erste Orientierung auf Grund des Typs auch sein mag.
 
     
 
 
 
     
 
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