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Priester

 
     
   
in vielen Religionen der Mittler zur Gottheit. Bei den Juden ist der Rabbi nur ein Lehrer, in den protestantischen Kirchen der Pastor vorwiegend ein »Hirte« seiner Gemeinde. Dagegen verfügt der katholische Pfarrer über das Vorrecht, die Sakramente zu spenden. Die Weihe hat ihn über die übrigen Gläubigen erhoben, ihm aber auch besondere Pflichten auferlegt. Hier liegt die alte Vorstellung zugrunde, daß es für den gewöhnlichen Menschen zu gefährlich wäre, sich direkt der Gottheit zu nähern. So werden Priester als Mittler eingesetzt, die für ihre Weihe ein Opfer bringen müssen, dadurch aber auch an der göttlichen Macht teilhaben. So gewinnen sie Fähigkeiten, die nicht an ihrer Person hängen. Oft war das Amt des Priesters mit dem des Arztes verschränkt. Die Geschichte der psychosomatischen Medizin begann mit den Medizinmännern. Der Exorzismus, wie er im Katholizismus noch manchmal geübt wird, und die katholische Ohrenbeichte lassen sich als Formen der Psychotherapie verstehen. Die Nähe zur Gottheit macht den Kultdiener weiter zum Gesetzgeber oder zum Deuter der Zukunft, zum Propheten. Seine Macht, die letztlich eine Macht über Seelen ist, und die Macht der religiösen Organisation (Kirche) überhaupt treten oft in Konkurrenz zur politischen Macht. Der Streit zwischen Häuptlingen und Medizinmännern, zwischen Kaisern und Päpsten, zwischen politischen Parteien und Kirchen spiegelt die Doppelnatur des Menschen als leibliches Wesen, das von äußeren Bedingungen abhängig ist, und als psychisch bedingt, das heißt auf die Befriedigung seiner seelischen Bedürfnisse angewiesen. Freilich bleibt auch der Priester ein Mensch, von den eigenen Wünschen und Illusionen verführbar und den Versuchungen der Macht ausgesetzt. Seine Wirkung ist nicht nur durch die Kraft der Religion begrenzt, die er vertritt, sondern auch dadurch, wie weit er ihren Lehren beispielhaft folgt.
 
     
 
 
 
     
 
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Priapismus
primacy effect
 
     
     
 

 

 
     

 

   
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