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Isolationsfurcht

 
     
   
die grundlegende Angst von Menschen, in sozialen Situationen eine Minderheitsmeinung zu vertreten. Noelle-Neumann (1996) geht in ihrer Theorie der Öffentlichen Meinung davon aus, daß gesellschaftlicher Zusammenhalt erst durch das Wechselspiel zwischen Isolationsdrohung der Gesellschaft und Isolationsfurcht der Individuen ermöglicht wird. Als Beispiel für die Wirksamkeit der Isolationsfurcht werden die Experimente von Solomon Asch angeführt (Konformität). Offenbar werden Menschen durch die erdrückende Mehrheit der anderen in ihrem Urteil beeinflußt bzw. können sich der Mehrheitsmeinung nur schwer entziehen. Sie laufen Gefahr, sich gegenüber den Anderen zu isolieren. Durch die Isolationsdrohung der Gemeinschaft und die Isolationsfurcht der einzelnen wird nach Noelle-Neumann gesellschaftliche Integration (Integrationskonzept) bewirkt und das Auseinanderdriften einer Gemeinschaft durch unterschiedliche Ansichten, Wert- und Moralvorstellungen vermieden, und zwar durch das Vehikel der Öffentlichen Meinung. In zahlreichen Umfragestudien konnte gezeigt werden, daß Isolationsfurcht zu verminderter Redebereitschaft bei den Betroffenen führt, so daß sie ihre (Minderheits-)Meinung seltener in den sozialen Diskurs einbringen. Zur Vermeidung von Isolationsdrohungen durch die Gemeinschaft beobachten Menschen - vor allem wenn sie sich in der Öffentlichkeit befinden - permanent das Meinungsklima, das sich beispielsweise durch die Meinung der anderen Menschen oder auch durch die Berichterstattung der Massenmedien manifestiert.

Literatur

Noelle-Neumann, E. (1996). Öffentliche Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale. Frankfurt: Ullstein.


 
     
 
 
 
     
 
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