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mentale Modelle

 
     
   
bezeichnen eine Form der analogen Repräsentation von Wissen. Das Konzept basiert auf der Annahme, daß Menschen strukturelle und/oder dynamische Aspekte von komplexen Problembereichen (z. B. Aufbau und Funktion technischer Geräte, inferenzhaltige Textbeschreibungen) dadurch repräsentieren, daß sie modellhafte Vorstellungen aufbauen, welche die in Frage stehenden realweltlichen Sachverhalte und Abläufe (z. B. Funktionieren eines Verbrennungsmotors, Nutzung von Gebrauchsanweisungen) anschaulich machen und mental zu simulieren erlauben. Es handelt sich um eine Rahmenvorstellung menschlicher Wissensrepräsentation, deren Stärke darin liegt, der Ganzheitlichkeit, Systematik und Dynamik alltagsnaher Repräsentationen komplexer Sachverhalte Rechnung tragen zu können. Bei der Untersuchung von mentalen Modellen erweist es sich als sinnvoll, zwischen folgenden Beschreibungsebenen zu unterscheiden: a) Problembereich, für den ein mentales Modell aufgebaut wird (Zielsystem), b) mentales Modell des Subjekts über den Problembereich (Repräsentationssystem) und c) Konzeptualisierungen des Forschers über die mentalen Modelle der von ihm untersuchten Subjekte (Theoriesystem). Theoretische Konzeptualisierungen von mentalen Modellen zu entwickeln und empirisch zu erproben, ist das Ziel verschiedener Ansätze im Bereich der Kognitionspsychologie (Kognition), der Informatik und der Linguistik.

Seit Anfang der 80er Jahre wurden unabhängig voneinander verschiedene theoretische Rahmenvorstellungen zu mentalen Modellen vorgelegt (im Bereich des Umgangs mit komplexen technischen Systemen und des logischen Schlußfolgerns). Insbesondere der Ansatz von Johnson-Laird wurde konzeptuell stark ausgearbeitet und verschiedenen empirischen Prüfungen unterzogen. Hiernach basiert propositionales Schlußfolgern auf der Konstruktion und Evaluation von vorstellungsnahen mentalen Modellen (ähnlich der Nutzung von Hilfsdiagrammen) und wird gegenüber Ansätzen, welche Schlußfolgern als syntaktische Manipulation von formalen Regeln annehmen, abgegrenzt. In Anlehnung an diese Konzeption und Ansätzen zu sog. Situationsmodellen sind in den letzten Jahren verschiedene Verwendungen des Konzepts mentaler Modelle im Bereich der Untersuchung von Prozessen des Textverstehens zu verzeichnen. Forschungsstimulierend und gewinnbringend erscheinen insbesondere Anwendungen des Konzepts im Bereich des textbasierten Aufbaus von Raumrepräsentationen und textbasierter räumlicher Inferenzen.

Literatur

Johnson-Laird, P.N. (1983). Mental models. Cambridge, MA: Cambridge University Press.

Johnson-Laird, P.N. & Byrne, R.M.J. (1991). Deduction. Hove: Erlbaum.


 
     
 
 
 
     
 
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