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Risikohomöostasetheorie

 
     
   
ein Modell des Risikoverhaltens, das vom kanadischen Psychologen G. J. S. Wilde vorgelegt wurde und in den letzten 20 Jahren insbesondere in bezug auf das Verhalten von Autofahrern heftig diskutiert wird (Verkehrspsychologie). Danach bildet ein Fahrer aus motivationalen Zielen heraus eine Risikozielgröße (”akzeptiertes Risiko”), die als individuelle Konstante den Sollwert eines Regelkreises bildet. Aus der Aufnahme und Verarbeitung fahrrelevanter Informationen ergeben sich Erwartungen bezüglich zukünftiger Verkehrssituationen; diese werden zu einem "wahrgenommenen Risiko" verdichtet. Der Fahrer versucht nun stets, das wahrgenommene und das gewünschte Risikoniveau in Einklang zu bringen (Risiko ). Die Annahme einer relativ konstanten Risikoakzeptanz führt zu der Schlußfolgerung, daß alle Verkehrssicherheitsmaßnahmen, die diese Zielgröße nicht verändern – also nicht-motivational sind – zumindest langfristig ohne Effekt bleiben. Tatsächlich lassen sich viele Verhaltensanpassungen als Reaktionen auf sicherheitstechnische Verbesserungen im Auto und im Verkehrsraum so erklären. So konnte z.B. gezeigt werden: Der durch Anti-Blockiersysteme technisch bereitgestellte Sicherheitsgewinn wird von Fahrern durch dichteres Auffahren wieder aufgezehrt. Bei vielen anderen Sicherheitsmaßnahmen tauchten solche Adaptationen jedoch entweder nicht auf oder zumindest nicht in Größenordnung der erwünschten Haupteffekte. Neue Überblicke zu Wirksamkeitsstudien zeigen, daß unerwünschte Adaptationen insbesondere auftauchen, wenn der objektive Sicherheitsgewinn unmittelbar rückgemeldet wird, der Fahrer gefährlichere Expositionsbedingungen aufsuchen kann, die Werbung den Sicherheitsgewinn herausstellt und Überlagerungen durch Auslebenstendenzen im Sinne leistungs-und erlebnisbezogener Fahrstile möglich sind. Verkehrstechnische Maßnahmen sind dabei weniger als fahrzeugtechnische Verbesserungen anfällig für ungewünschte Verhaltensanpassungen.


 
     
 
 
 
     
 
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