A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

 

 

Bedingter Reflex

 
     
   
Ein Hund sondert Magensaft ab, wenn er Futter sieht oder riecht (Reflex). Der russische Physiologe I. P. Pawlow operierte Hunde und setzte ihnen einen Schlauch ein, mit dessen Hilfe er die Magensaftmenge messen konnte. Dann ließ er immer, wenn er ihnen Futter gab, ein Glockensignal ertönen. Nach einigen Darbietungen des unbedingten Reizes (Futter) zusammen mit dem bedingten Reiz (Signal) sonderten die Hunde auch dann Magensaft (in etwas geringerer Menge) ab, wenn man den Glockenton allein, ohne Futter, darbot. Ein bedingter Reflex war entstanden. Dieses berühmte Experiment von Pawlow hat weite Bereiche der psychologischen Forschung in Amerika (Behavioris-mus) und der Sowjetunion angeregt; der Prozeß des Erwerbs und des Auslöschens bedingter Reflexe und Reaktionen (Konditionierung) wurde herangezogen, um die verschiedenartigsten Vorgänge zu erklären. Es zeigte sich, daß die Signale «generalisiert» (verallgemeinert) werden: Der Hund sondert auch dann Speichel ab, wenn eine Pfeife ertönt oder eine andere Glocke klingt; die Speichelmenge verringert sich, wenn die Ähnlichkeit zwischen dem ursprünglichen und dem geprüften Reiz abnimmt. Eine solche Generalisierung (= Verallgemeinerung) läßt sich auch dann beobachten, wenn zum Beispiel ein Kind zunächst vor einem bestimmten Tier Angst hat (etwa vor einer Wespe, weil es einmal gestochen wurde) und diese Angst dann auf alle kleinen, fliegenden Tiere ausdehnt. Hier dürfte freilich die Reflexlehre schon nicht mehr ausreichen, um diese Angstreaktion zu erklären. Wenn das Kind die Angst nicht «braucht», um irgend etwas Unbewußtes auszudrük-ken, wird es kaum an ihr festhalten. Mit Hilfe der Prüfung bedingter Reaktionen kann man auch feststellen, welche Möglichkeiten des Unterscheidens von Signalen bei Tieren bestehen (indem man das ursprüngliche Signal variiert und beobachtet, ob eine Reaktion eintritt und wie stark sie ist). Durch widersprüchliche Signale kann man Neuroseähnliche (Neurose) Störungen bei Tieren hervorrufen: Ein Hund erhält auf das Bild eines Kreises hin Futter, auf das eines Ovals einen elektrischen Schlag. Zeigt man ihm nun stufenweise Bilder, bei denen der Unterschied zwischen Kreis und Oval kaum mehr wahrnehmbar ist, dann reagiert er mit deutlich gestörtem Verhalten, beispielsweise Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Wenn bedingter und unbedingter Reiz längere Zeit nicht mehr zusammen geboten werden, wird der bedingte Reflex allmählich schwächer und verschwindet endlich ganz; er tritt allerdings nach einer erneuten Bekräftigung rascher und stärker wieder auf als bei einem naiven Tier. Intermittierende Verstärkung
 
     
 
 
 
     
 
<< vorhergehender Begriff
nächster Begriff >>
bedingte Wahrscheinlichkeit
Bedingung notwendige
 
     
     
 

 

 
     

 

   
  Weitere Begriffe : Gedächtnis | Organneurose | Metagedächtnis
PSYCHOLOGY48 | ÜBERBLICK | THEMEN | DAS PROJEKT | SUCHE | RECHTLICHE HINWEISE | IMPRESSUM
Copyright © 2017 All rights reserved. Psychologielexikon