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Bruderschaft

 
     
   
eine Gemeinschaft von etwa gleichberechtigten Männern, die sich einander wie Brüder verbunden fühlen und meist auch ein gemeinsames Ziel verfolgen. Wie unter wirklichen Geschwistern gibt es auch unter den Mitgliedern einer Bruderschaft Auseinandersetzungen. Aber die Rivalität ist begrenzt durch eine Zusammengehörigkeit, die nicht infragegestellt wird. In Mönchsorden, in Freimaurer-Logen, in der von Zinzendorf gegründeten Herrnhuter »Brüdergemeine« haben sich die Muster der Bruderschaft noch deutlich erhalten. Freud nahm an, daß sich die Menschen zunächst in kleinen Horden organisiert hätten, in denen jeweils ein mächtiger Vater die absolute Gewalt ausübte. Irgendwann hätten sich dann die Söhne zusammengetan, um sich zu befreien, und den Vater zu töten. Aber sein Verbot, sexuelle Beziehungen zu den Frauen der eigenen Familie einzugehen (Inzest), hielten sie weiter ein, um ihre neue Gemeinschaft nicht durch Eifersucht zu gefährden. Der gemordete Vater wurde weiter verehrt in Gestalt eines Totem, meist eines Tieres, das seine Macht symbolisierte. In einer Übergangszeit gewann die Mutter eine neue Bedeutung. Die Brudergesellschaft, die dann entstand, wurde von demjenigen ge führt, den die anderen freiwillig als Führer anerkannten. Noch in unseren heutigen Organisationen läßt sich der Unterschied zwischen einer Vater und einer Bruder-Gesellschaft ausmachen. Konservative Staaten oder Parteien folgen dem Prinzip eines Patriarchats mit fraglos festgelegter Führerschaft und einem entsprechenden Gehorsam von Untertanen. Sozialistische Staaten und Parteien treten ebenso wie Gewerkschaften unter dem Zeichen einer Brudergesellschaft an; ihre Führer sollen nur die Stellung eines »primus inter pares« einnehmen und jederzeit abgelöst werden können. An Stelle der Unterordnung soll die Solidarität und die »fraternite« (die Brüderlichkeit) den Zusammenhalt sichern. In der Neigung solcher Brudergesellschaften, wieder Züge der starren Hierarchie anzunehmen, zeigt sich, wie schwer es dem Durchschnitt der Menschen fällt, sich ohne Druck von oben in einer Ordnung zu fügen, und wie sehr Mächtige versucht sind, ihre Macht auszunutzen.
 
     
 
 
 
     
 
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