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Encountergruppen

 
     
   
auch: Selbsterfahrungsgruppen, Kontaktgruppen, sind eine weit verbreitete Form der Gruppenbegegnungen im Sinne einer "Therapie für Normale", die ihren Höhepunkt Ende der 60er Jahre hatte. Intitiatoren der Encounter-Bewegung waren C. R. Rogers und W. C. Schutz (Humanistische Psychologie). Encountergruppen unterscheiden sich stark von traditionellen Gruppentherapien und auch untereinander. Der wichtigste Punkt ist: Niemand tritt als "Patient" in eine Gruppe ein, sondern jeder will seinem Leben durch Freude, menschliche Wärme und Spontaneität mehr Sinn geben. Es soll nichts Negatives aus dem Leben entfernt, sondern etwas Positives hinzugefügt werden (so jedenfalls lautet die Grundidee).

Gemeinsam sind den meisten Encountergruppen a) eine ganzheitliche und optimistische Sichtweise der Natur des Menschen - die Gruppe soll die Selbstverwirklichungskräfte (Selbstverwirklichung) des einzelnen freisetzen. b) das Bemühen um eine ehrliche, fassadenfreie Interaktion. c) Betonung des unmittelbaren Erlebens im "Hier und Jetzt". Wesentliche Formen der Encountergruppen sind zum einen die personenzentrierten Gesprächsgruppen nach C. R. Rogers und R. Tausch (Gesprächspsychotherapie) und zum anderen die strukturierten Encountergruppen nach W. C. Schutz, deren unmittelbares Ziel vor allem das Herstellen von awareness bei gesteigerter Sinneserfahrung ist. Wesentliche Wirkfaktoren der Encountergruppen sind wechselseitige Selbstöffnung und Selbstauseinandersetzung, Erfahren von Bestätigung und Geborgenheit, Erkennen der "Universalität des Leidens", intensives Erleben und Lernen neuer Verhaltensweisen im sozialen Mikrokosmos der Gruppe.

Die Encounterbewegung wurde immer wieder in Frage gestellt, vor allem wegen "Behandlungsopfern" als Folge von gruppendynamischen Prozessen (z.B. Suche nach einem Sündenbock). Die Angaben über die Zahl der "Opfer", die psychische Schäden davon getragen haben, schwanken zwischen 1% und nahezu 50%. Insgesamt dürfte unbestritten sein, daß Encountergruppen bei vielen Menschen zu konstruktiven psychischen und verhaltensbezogenen Veränderungen führen können, wenn die Zusammensetzung der Gruppe und Charakteristika der Teilnehmer günstig sind und das Leiterverhalten bestimmten Kriterien genügt, wie z.B. mittleres Maß an emotionaler Stimulierung und Lenkung, kein Anstacheln zu aggressiver Konfrontation und kein Laissez-faire-Verhalten.


 
     
 
 
 
     
 
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