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kollektives Verhalten

 
     
   
gemeinsam von Soziologie und Psychologie geprägter Begriff für Massenphänomene wie "spontanes Zusammenwirken von Individuen in Menschenmengen, Gruppen oder Bewegungen", die außerhalb etablierter Institutionen mit unkonventionellen Mitteln für die Durchsetzung ihrer Bedürfnisse, Interessen und Überzeugungen eintreten. Seit dem frühen 20. Jahrhundert war die Massenpsychologie die einflußreichste sozialpsychologische Richtung: In Massen würden Menschen durch emotionale Ansteckung irrational, hysterisch und führungsbedürftig (LeBon). Freud dagegen deutete diese Beobachtungen in seiner "Massenpsychologie und Ich-Analyse" als kollektive Regression, bei der die Mitglieder der Masse zentrale Über-Ich-Funktionen der Selbstkontrolle an den Führer übertragen, der auch ihr Ich-Ideal verkörpere. Spätere Studien haben jedoch gezeigt, daß auch die nur auf den ersten Blick amorphe Masse eine innere Gliederung und ein aus Sicht ihrer Mitglieder rationales soziales Projekt hat. Der damit scheinbar spontane Protest ist durch die Inzenierung gemeinsamer Werte und die Formulierung von Konflikten, soziokulturellen Selbstentwürfen und Forderungen strukturiert. Auch für Großgruppen wird heute daher meist die Theorie Sozialer Identität herangezogen: Soziales Kategorisieren ist ein ständig zwischen Menschen ablaufender Prozeß, bei dem "das Gegenüber" aufgrund von hervorstechenden Merkmalen einer Gruppe eingeordnet wird. Deren Eigenschaften werden dann dem Individualmitglied zugeschrieben und mit denen der Eigengruppe verglichen, wobei durch kulturelle Konstruktionen ein möglichst günstiges Ergebnis für das Selbstbild angestrebt wird.

Literatur

Heinz, W. R. (1988). Kollektives Verhalten. In R. Asanger & G. Wenninger (Hrsg.), Handwörterbuch der Psychologie. Weinheim: Psychologie Verlags Union.


 
     
 
 
 
     
 
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