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Tagebuchmethode

 
     
 
regelmäßige Protokollierung ausgesuchter Verhaltensbereiche. Ursprünglich mit der Entstehung der Entwicklungspsychologie als empirischer Disziplin verknüpft findet man die Tagebuchaufzeichnungen von jungen Wissenschaftlern, die Beobachtungstagebücher führten – mit ihren Kindern als Beobachtungsgegenständen.

Zentrale Kritikpunkte : 1) Untrennbarkeit von subjektiver Erfahrung und quasi-objektiver Registrierung mit wissenschaftlichen Systematisierungsansprüchen – Merkmal nahezu jeder neuen Wissenschaft in statu nascendi. 2) Mangelnde Verallgemeinerungsfähigkeit der Resultate, da sie von wenigen "Fällen" stammen. 3) Vermischung von expliziter und impliziter Theorie als Suchrichtung und Bestätigungsfundus. 4) Mögliche positive Voreingenommenheit, da die Beobachter in Nahbeziehungen zu den Kindern und ihren Müttern bzw. Vätern standen. 5) Oder als Reaktion darauf ganz besonders strenge und rigide, d.h. die Beziehung tangierende "Objektivität". 6) Lücken und mangelnde Systematik in den Beobachtungssequenzen.

Vorteile: 1) Spontan-natürliche Ausgangssituation der Beobachtung von kindlichem Verhalten und Erleben; traumatisches Erleben läßt sich z.B. aus moralisch-ethischen Gründen nicht künstlich herstellen. 2) "Standardisierte" Situationen können Beobachtungs- und Entdeckungsresistenz produzieren. 3) Ein Nicht-Außenstehender verhindert einen künstlich gestellten Beobachtungskontext. 4) Die Beobachtung des Einzelfalls ist intensiver als die Gruppenstudie. 5) Tagtägliche Begebenheiten und Begegnungen (z.B. Essen, Zubettgehen) sind der Lieferant interessierender Daten – gerade seltene Ereignisse haben so eine höhere Entdeckungswahrscheinlichkeit. 6) Längerfristige Beobachtung ist möglich.

Anleitung und Stimulation des Schreibens von Tagebüchern sind in der Klinischen Psychologie und in der Pädagogischen Psychologie als Selbstkontroll- und Selbstreflektionsmethode eingeführt worden. Sie sind nicht nur Methoden der Datengewinnung und Prozeßforschung, sondern können therapeutisch und pädagogisch die Selbstreflexion erhöhen und für Erlebens- und Verhaltenssteuerung gezielt eingesetzt werden.

Literatur

Wilz, G. & Brähler, E. (Hrsg.). (1997). Tagebücher in Therapie und Forschung. Göttingen: Hogrefe.


 
     
 
 
     
 
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