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Völkerpsychologie

 
     
   
Mitte des 19. Jahrhunderts von Lazarus und Steinthal initiiert und später von Wilhelm Wundt in anderer Akzentuierung weitergeführt, kann als eine parallele Strömung zu der sich gleichzeitig etablierenden experimentell-naturwissenschaftlich ausgerichteten Psychologie aufgefaßt werden. Sie hatte zum Ziel, die soziale und historische Dimension menschlichen Erlebens und Verhaltens in die psychologische Analyse einzubeziehen. Zentrale Kategorie der frühen Völkerpsychologie von Lazarus und Steinthal war der "Volksgeist", worunter ein überindividuelles, historisch sich entwickelndes System von Anschauungen, Vorstellungen und Begriffen zu verstehen ist. Wilhelm Wundt, der 1879 in Leipzig das weltweit erste Psychologische Institut gründete und sich zunächst der Psychophysiologie zuwandte, betrachtete die Völkerpsychologie als eigenständige psychologische Disziplin, die sich – im Gegensatz zur experimentellen Psychologie – mit den "höheren psychischen Vorgängen" beschäftigt. Ihrer Ausarbeitung widmete er sich ab 1900 in einem zehnbändigen Werk, in dem er die geistigen Objektivationen psychischer Tätigkeit, nämlich "Sprache, Mythus und Sitte", und deren kulturgeschichtliche Entwicklung untersuchte. In der weiteren Entwicklung der Psychologie als Wissenschaft spielte die Völkerpsychologie eine untergeordnete Rolle. Einige Grundgedanken Wundts wurden von der Sozialpsychologie (George Herbert Mead) und von der Ethnologie (Franz Boas) aufgegriffen und weitergeführt. Für die sich gegenwärtig neu formierende Kulturpsychologie ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Völkerpsychologie aber auch heute noch von Interesse.

Literatur

Eckardt, G. (Hrsg.). (1997). Völkerpsychologie – Versuch einer Neuentdeckung. Texte von Lazarus, Steinthal und Wundt. Weinheim: Psychologie Verlags Union.


 
     
 
 
 
     
 
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