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Fallgeschichte

 
     
   
die Darstellung eines Lebenslaufes im Zusammenhang mit der Entwicklung einer seelischen Störung. Hier zeigt sich oft, wie viele Faktoren das Verhalten und Empfinden eines Menschen geprägt haben. Meist sind es weniger die Tatsachen, die man etwa als Bewerber um eine Berufsstellung im Lebenslauf anführen würde, als die kleinen Ereignisse im intimsten Bereich, unter ihnen vor allem die Kindheitserfahrungen im Verhältnis zu den Eltern und Geschwistern, die die Entwicklung des Charakters und auch seine Verformung verständlich machen. Aus der Fülle der Einzeleinflüsse, die keine Fallgeschichte ganz fassen könnte, ragen einige heraus, die wie Muster der individuellen Lebenseinstellung wirken, zumal sie tatsächlich ständige Wiederholungen zur Folge gehabt haben. So werden in einer Fallgeschichte Erfahrungen herausgearbeitet, die für ähnliche Situationen in vielen anderen Lebensläufen aufschlußreich sind, auch wenn die Einzelheiten jeweils etwas anders aussehen. Nur eine sehr ausführliche Falldarstellung kann die Details aufschließen, auf deren Summe es jeweils entscheidend ankommt; nur eine Verallgemeinerung, die von gewissen Einzelheiten absieht, gestattet eine beispielhafte Einsicht. Freud wunderte sich einmal, »daß die Krankengeschichten, die ich schreibe, wie Novellen zu lesen sind«. Umgekehrt erinnert manch ein Roman an eine psychiatrische Fallgeschichte. Da in einer Krankengeschichte, die veröffentlicht werden soll, einige Tatsachen kaschiert werden müssen, um die Intimsphäre des Patienten zu schützen, kommt es zu Verschiebungen, die manchmal nicht ganz so unwichtig sind, wie der Autor ursprünglich meinte. In der populär und pseudowissenschaftlichen psychologischen Literatur finden sich zur Veranschaulichung gewisser Themen oder um des Effektes willen auch erfundene Fallgeschichten. Manche von ihnen wirken in ihrer Folgerichtigkeit überzeugender als echte Berichte, die so gut wie nie der »Logik« des sogenannten »gesunden Menschenverstandes« entsprechen.
 
     
 
 
 
     
 
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