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Freizeiterleben

 
     
   
Erleben von Freizeit, Stimmungslage in der Freizeit. Studien zeigen, daß gleiche Freizeitaktivitäten unterschiedliche Bedeutungen und umgekehrt unterschiedliche Freizeitaktivitäten gleiche Bedeutungen haben können. So gibt es Freizeitaktivitäten, die in diesem Sinne keine spezifischen subjektiven Bedeutungen haben (Erholung, Ausruhen, produktive und familienbezogene Tätigkeiten), aber auch Aktivitäten mit sehr spezifischen subjektiven Bedeutungen wie Unterhaltung und Geselligkeit (Selbstbestätigung), Sport und Spiel (Leistung) und Medienbeschäftigung (aktive Gestaltung). Trotz dieser spezifischen Zuordnungen wird Freizeit allgemein im Gegensatz zu Arbeit als Abwesenheit von Leistungsorientierung und persönlichen Einschränkungen erlebt.

Noch wenig erforschte Aspekte sind die der Stimmungslage in Verbindung mit Freizeitaktivitäten, des Freizeitstresses und der Aggression. Studien zum Medienverhalten haben gezeigt, daß insbesondere alleinstehende Hausfrauen sowie Nur-Hausfrauen mit jugendlichen Kindern überdurchschnittlich häufig negative Stimmungslagen haben, Radiohören und Musik haben in diesem Zusammenhang Kompensationsfunktionen. In diesem Kontext ist auf die sog. Hochstimmung (flow) hinzuweisen, die Csikszentmihalyi (1974) als Erlebensweise der Kongruenz verschiedener Persönlichkeitsvariablen unter Berücksichtigung somatischer Anteile an der Freizeit definiert. Freizeit kann dann als eine Folge von Inszenierungen von flow-experience verstanden werden, für die bestimmte Konsum- oder andere Verhaltensweisen die Instrumente sind: Rauchen, Alkoholtrinken, Sport treiben, Fernsehen, Computerspielen u.ä. In einer neueren Studie hat Opaschowski herausgefunden, daß Jugendliche besonders dann Stress und Aggression empfinden bei Familientreffen, bei privaten Verpflichtungen, in langweiliger Gesellschaft und bei Störungen, wenn sie sich etwas anderes vorgenommen haben.

Die am häufigsten erhobenen Kategorien im Zusammenhang mit Freizeiterleben sind Langeweile und Zufriedenheit. Langeweile wird dabei als Merkmal von Problemlagen verstanden. Alle bekannten Studien zeigen einen Anteil von ca. einem Drittel der Bevölkerung in allen Altersgruppen, die öfter Gefühle der Langeweile kennen. Auf der anderen Seite zeigen Untersuchungen immer wieder, daß zwischen 80 und 90 % der Bevölkerung mit ihrer Freizeit zufrieden sind, auch wenn ca. 40 % gerne mehr Freizeit hätte. Allerdings ist Zufriedenheit, ähnlich wie Langeweile, ein sehr globaler Aspekt des Erlebens, der immer auch an gewisse Aktivitäten sowie soziale, situative und psychische Momente gekoppelt ist. Darüber hinaus korreliert Zufriedenheit in einem Lebensbereich immer auch sehr hoch mit der in anderen Lebensbereichen sowie der allgemeinen Lebenszufriedenheit.

Gordon, Gaitz und Scott (1976) stellen in dem für den anglo-amerikanischen Raum wohl einflußreichsten Freizeitansatz den Grad der Expressivität (intensity of expressive involvement) in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Basis dieses Modells ist die Differenzierung der Freizeit - in Anlehnung an S. Freud - in instrumentelle (Arbeit, Routineverhalten u.ä.) und expressive Aktivitäten: Letztere beziehen sich auf symbolische und ein Individuum erfüllende Interaktionen mit der Umwelt, deren Belohnung intrinsischer Art ist und unmittelbar bei der Ausübung erfolgt.

Literatur

Tokarski, W. (1979). Aspekte des Arbeitserlebens als Faktoren des Freizeiterlebens. Frankfurt.

Tokarski, W. & Schmitz-Scherzer, R. (1985). Freizeit. Studienskripten zur Soziologie Bd. 125. Stuttgart.


 
     
 
 
 
     
 
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