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Gerücht

 
     
   
die Verbreitung einer »Nachricht« von Mund zu Mund, ohne daß die Möglichkeit oder auch nur die Neigung besteht, den Wahrheitsgehalt der Information nachzu prüfen. In der Weitergabe eines Gerüchtes verändert sich sein Gehalt bis zur Unkenntlichkeit. Oft weiß jemand, der es weiterträgt, kaum noch, von wem er es erfahren hat. Vielleicht hält man die Quelle selbst für so wenig vertrauenswürdig, daß man sich nicht auf sie berufen mag. Das Gerücht wird zu einem »Ondit« – »man sagt«. Tatsächlich wird manches Gerücht von den verschiedensten Seiten zugleich zugetragen, und entsprechend auch in den unterschiedlichsten Fassungen. Es liegt dann sozusagen »in der Luft«. Die Verbreitung eines Gerüchtes hängt von dem Kreis der Personen ab, die von seinem Inhalt gefühlsmäßig angesprochen werden. Manche Gerüchte sind nur in einem engen Umkreis interessant, in dem man die Menschen von Angesicht kennt, an die sie sich heften. Andere schwirren durch ein ganzes Land, wenn sie nämlich Personen der Öffentlichkeit betreffen, Mitglieder von Fürstenhäusern, politische Führer, berühmte Künstler. Beinahe immer gilt ein Gerücht den Eigenschaften oder Handlungen, die Menschen nur ungern zugeben würden, etwa einer Übertretung der sexuellen Moral, einem unehrenhaften Verhalten oder sogar einem heimlichen Verbrechen. Die Nachbarn oder die Großen der Welt werden dadurch aber nicht immer nur herabgesetzt. Das Unerwartete, das man von ihnen behauptet, kann auch den Respekt vor ihrem Mut und die Bewunderung ihrer Rücksichtslosigkeit steigern. Politische Gerüchte spielen eine besonders große Rolle unter Verhältnissen, in denen die Berichterstattung durch Presse, Rundfunk, Fernsehen usw. einer scharfen Zensur unterworfen ist. Aber die freie Berichterstattung setzt die Funktion der »großen« Gerüchte nicht außer Kraft. In jeder Gesellschaft geschieht unter den Führenden vieles, was undurchschaubar bleibt – oft genug bleiben soll, sodaß darüber Gerüchte entstehen. In der politischen Auseinandersetzung werden manchmal sogar Gerüchte planmäßig in die Welt gesetzt, um einen Gegner bloßzustellen oder eine Stimmung zu erzeugen, von der man sich einen Vorteil für die eigenen Ziele verspricht. Anders als bei einer Behauptung, die man offen ausspricht, kann man für ein Gerücht nicht zur Verantwortung gezogen werden, da es sich nicht auf seine Urheber zurückführen läßt. Eine offene Information kann als falsch aufgehoben werden, nach einem noch so unberechtigten Gerücht »bleibt immer etwas hängen«. Die Gefahr der absichtlichen Verbreitung von Gerüchten liegt darin, daß ihre Urheber nie wissen können, wie es sich verändert und ob es nicht ganz unerwünschte Wirkungen auslöst. Die Einsicht in das Wesen des Gerüchts sollte dazu führen, keinem Gerücht je zu glauben.
 
     
 
 
 
     
 
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