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Informationsverarbeitungsprozesse in Gruppen

 
     
   
sind zwar nicht identisch mit individuellen Prozessen der Informationsverarbeitung, man geht aber davon aus, daß sich analoge Prozesse identifizieren lassen. Neuere Entwicklungen der Gruppenforschung zeigen einen deutlichen Trend hin zu einer Integration von sozialer Kognitionsforschung und klassischer Gruppenforschung, indem Gruppen vermehrt als informationsverarbeitende Systeme angesehen und dementsprechend erforscht werden. Dabei wird der Gruppenprozeß als analog zu Prozeßmodellen der individuellen kognitiven Informationsverarbeitung betrachtet. Man geht davon aus, daß Gruppen ebenso wie Individuen Information aufnehmen, indem bestimmten Aspekten der Umwelt Aufmerksamkeit nach Maßgabe mehr oder weniger festgelegter Verarbeitungsziele geschenkt wird. Die aufgenommene Information wird zu einer mentalen Repräsentation verarbeitet, im Gedächtnis abgespeichert und bei Bedarf wieder aus dem Gedächtnis abgerufen. Im Arbeitsspeicher wird die Information in vorhandene Wissensstrukturen integriert und nach bestimmten Regeln, Heuristiken, Prozeduren oder Strategien weiter verarbeitet. Im Anschluß daran wird eine Handlung generiert, deren Wirkungen zurückgemeldet werden und wiederum die weitere Informationsaufnahme beeinflussen. Die Informationsverarbeitungsprozesse in Gruppen sind nun allerdings nicht identisch mit individuellen Prozessen. So gibt es bestimmte Regeln, nach denen Gruppen Informationen aufnehmen und verarbeiten. Diese Informationen werden in spezifischer Weise in der Gruppe repräsentiert, es entsteht ein mentales Modell der Gruppe. Die Speicherung von Information erfolgt beispielsweise als transaktives Wissenssystem. Der Abruf von darin gespeichertem Wissen hängt ab von Aufgaben- und Rollenverteilungen sowie Interaktions- und Kommunikationsmustern. Grundlegend ist diesem Ansatz die Annahme, daß Informationsverarbeitung auf der individuellen Ebene die Informationsverarbeitung auf der Gruppenebene beeinflußt und umgekehrt. Es handelt sich hierbei also um interdependente sozial-kognitive Prozesse, deren Zusammenspiel nicht deterministisch, sondern kontingent zu begreifen ist.

Literatur

Hinsz, V. B., Tindale, R. S. & Vollrath, D. A. (1997). The emerging conceptualization of groups as information processors. Psychological Bulletin, 121, 43 - 64.


 
     
 
 
 
     
 
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