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Objektbeziehungstheorien

 
     
   
thematisieren, wie Triebschicksale, unbewußte Konflikte, psychische Strukturen durch Identifikationsvorgänge generationen-übergreifende Über-Ich-Tradierungen, sowie durch (Erziehungs-) Handlungen der Eltern im Kind entstehen. Schon bei Freud finden sich Überlegungen dazu, als Begründer der Objektbeziehungstheorien gilt jedoch die sog. ”Britische Schule”, insbesondere die Arbeiten von Melanie Klein, Ronald Fairbairn und Donald Winnicott. In einem erweiterten Sinn werden auch die Arbeiten der ich-psychologischen Psychoanalytiker, wie Erik Erikson, Edith Jacobson, Margaret Mahler, Otto Kernberg und Joseph Sandler als objektbeziehungstheoretisch bezeichnet, insoweit diese Forscher die Internalisierung, Strukturierung und klinische Reaktivierung der kindlichen dyadischen und triadischen Beziehungserfahrungen in den Mittelpunkt ihrer entwicklungs-, persönlichkeitspsychologischen, sowie klinischen Betrachtung stellen. Spätestens seit Kernberg ist es dabei üblich geworden, als Inhalt der verinnerlichten Objektbeziehung nicht das Bild vom anderen oder die Objektrepräsentanz zu betrachten, sondern die Beziehung zwischen dem Selbst und dem anderen, wobei die dabei erlebten Gefühle eine wichtige Rolle für die gedächtnismäßige Kodierung dieser Schemabildung im psychoanalytischen Sinn bilden (Selbstpsychologie).

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium für die diversen Objektbeziehungstheorien ist die Frage, inwieweit sie sich in Übereinstimmung mit Freuds Triebtheorie befinden. Melanie Klein, Margaret Mahler und Edith Jacobson verknüpfen die Freudsche Triebtheorie mit einer Objektbeziehungstheorie. Bei Ronald Fairbairn tritt hingegen die Suche nach Beziehungen an die Stelle der dualen Triebtheorie Freuds. Nach Joseph Sandler entstehen die Triebregungen sekundär aus den anfänglichen, affektiv geprägten Mutter-Kind-Interaktionen.

Eine weiterer wichtiger Streitpunkt zwischen den Vertretern der Objektbeziehungstheorien ist die Frage, inwieweit die frühen Objektbeziehungen eine Widerspiegelung der tatsächlich erlebten Interaktionserfahrungen verkörpern oder ob von der Eigendynamik unbewußter Phantasien auszugehen ist. Während die Anhänger Melanie Kleins von der überwiegend phantasmatischen Natur kindlicher Beziehungsphantasien ausgehen, die erlebte Beziehung mit einer konkreten Mutter oder anderen Bezugsperson, deren bewußte und unbewußte Konflikte und Delegationen somit nur eine sehr marginale Rolle spielen, unterscheiden sich andere Objektbeziehungstheoretiker darin, welche Korrespondenz sie zwischen elterlichen Handlungen als Resultat bewußter und unbewußter Intentionen und den Objektbeziehungen eines Kindes annehmen.

Literatur

Bacal, H. A. & Newman, K. M. (1994). Objektbeziehungstheorien – Brücken zur Selbstpsychologie. Stuttgart: frommann-holzboog.


 
     
 
 
 
     
 
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