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Objektwechsel

 
     
 
Wechsel des Liebesobjekts, ein vorrangiges Thema der Psychoanalyse: Wie kommt es, daß kleine Mädchen sich eines Tages, im Alter von drei, vier, fünf Jahren, emotional stärker ihren Vätern zuwenden und Phantasien der ausschließlichen Gemeinsamkeit und erotischen Intensität ihm gegenüber entwickeln – obwohl sie doch die ersten Lebensjahre eine intensive Liebesbeziehung zu ihrer Mutter unterhalten haben? Für den gesunden Menschenverstand (Laientheorien) ist eine angeborene heterosexuelle Ausrichtung dafür verantwortlich, S. Freud versuchte hingegen eine (spekulative) psychoanalytische bzw. psychologische Deutung des Objektwechsels. Aus seiner Sicht ist es zum einen eine Anzahl von narzißtischen Kränkungen aus der Phase der präödipalen Mutterbindung, die das Kind eines Tages nicht mehr erträgt (Ärger über ungenügende Befriedigung der unersättlichen oralen Bedürfnisse) und schließlich den Ausschlag dafür gibt, sich dem Vater zuzuwenden, zum anderen die Zuschreibung der Verantwortung auf die Mutter für den wahrgenommenen Penismangel und daraus resultierende Feindseligkeit gegenüber der Mutter (Penisneid). Nicht weniger spekulativ und empirisch nicht belegt, sind sozialpsychologisch-soziologisch Erklärungsansätze. Demnach verliere die anfänglich allmächtige, lebensspendende Mutter in den Augen der Tochter ihre omnipotente Stellung, die gesellschaftliche Diskriminierung der Frau gegenüber dem Mann würde allmählich offenkundig und die Tochter würde sich dem Vater als Verkörperung von Privilegien und Autonomie mit aller Macht zuwenden, um von minderwertigen Schicksal als heranwachsende Frau befreit zu werden.

Literatur

Mertens, W. (1996). Psychoanalytische Grundbegriffe (2. Aufl.). Weinheim: Psychologie Verlags Union.


 
     
 
 
     
 
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